MediaCulture-Online Blog

29.10.2014 | Sascha Schmidt

Rechtslage bei Streamingdiensten unklar

Bild: Dennis Skley, Lizenz: CC BY-ND

Die jüngst von Spiegel Online veröffentlichte Meldung bezüglich der Razzia gegen die Betreiber des Streamingdienstes Kinox.to wirft erneut Fragen über die rechtliche Lage bei der Nutzung von Filmpiraterie-Webseiten auf: Ist das Streamen von Raubkopien legal? Welche juristischen Konsequenzen drohen den Nutzerinnen und Nutzern dieser Seiten?

Streamingportale wie Kinox.to gehören zu den meist besuchten Webseiten in Deutschland und geraten aufgrund der noch immer umstrittenen Rechtslage regelmäßig in die Schlagzeilen. Die Webseite liefert Zugang zu illegalen Film-Raubkopien, die nicht heruntergeladen, sondern als Videostream im Browserfenster wiedergegeben werden. Gerade unter Heranwachsenden ist die Nutzung entsprechender Seiten weit verbreitet, schließlich herrscht hinsichtlich möglicher Konsequenzen oft Unklarheit.

Filmkonsum von Heranwachsenden

Generell hat sich das Film-Konsumverhalten von Jugendlichen in den letzten Jahren verändert. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen vor allem mobile Endgeräte und der Ausbau des digitalen Medienangebots. Immer mehr Filme sind online in digitaler Form verfügbar und können unabhängig von Ort und Zeit abgerufen werden. Viele Jugendliche greifen dabei auf illegale Streamingdienste wie Kinox.to zurück, da diese oft einen kosten- und anmeldefreien Zugang zu aktuellen Kinofilmen bieten. Zwar ist vielen Heranwachsenden bewusst, dass die dort angebotenen Filme meist Raubkopien sind, jedoch hält dies einen Großteil nicht von der Nutzung ab. Der Wunsch, aktuelle Kinofilme schnellstmöglich und flexibel anzusehen, überwiegt bei vielen Heranwachsenden.

Rechtliche Lage

Bild: Dennis Skley, Lizenz: CC BY-ND

Noch immer ist unklar, welche rechtlichen Konsequenzen die Nutzerinnen und Nutzer von illegalen Streamingportalen zu erwarten haben. Die Behörden können gegenwärtig keine Auskunft darüber geben, ob die IP-Adressen der Besucherinnen und Besucher von Seiten wie Kinox.to gespeichert werden. Zwar sind der Europäische Gerichtshof und das Bundesjustizministerium seit einem ähnlichen Rechtsfall im Dezember 2013 der Ansicht, dass durch das reine Streamen der Filme auf dem eigenen Endgerät keine Urheberrechtsverletzung besteht – eine eindeutige Rechtsprechung existiert diesbezüglich jedoch noch nicht.

Das Thema im Unterricht

Schülerinnen und Schüler sollten über mögliche rechtliche Konsequenzen bei der Nutzung von illegalen Streamingseiten aufgeklärt werden. Dazu gehört die Besprechung möglicher Szenarien wie dem Erhalt von Abmahnungen, Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen (im Falle einer weiteren Verbreitung der Raubkopien). Ein zusätzlicher kritischer Faktor stellt der Umgang mit den Daten der Nutzer/-innen dar. Da die Netzwerke der Seiten von den Betreibern durch Anonymisierungstechniken stark verschleiert werden, sind die Datenverarbeitungsvorgänge kaum einsehbar. Was genau mit den Daten der Besucher/-innen der Seiten passiert, ist folglich ungewiss. Darüber hinaus kann auch Schadsoftware über Streamingportale verbreitet werden, was ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für die eigenen Daten darstellt.

Neben der Erläuterung möglicher Nutzungskonsequenzen sollten auch legale Alternativen für Online-Streaming-Dienste mit den Schülerinnen und Schülern besprochen werden. Diese existieren beispielsweise in Form von Online-Videotheken (z.B. Maxdome und Watchever), Mediatheken (z.B. von ARD und ZDF) oder Videoportalen (z.B. MyVideo und YouTube). Zwar sind nicht alle Angebote brandaktuell und kostenfrei, jedoch gilt es auch zu vermitteln, dass das Medium Film kein kostenlos verfügbares Kulturgut darstellt. Filmproduktionen sind schließlich mit einem hohem Aufwand sowie Kosten verbunden, zudem sind tausende Arbeitsplätze von den Filmeinnahmen abhängig. Und sind wir doch einmal ehrlich: Ein schönes Kinoerlebnis mit Freunden und Familie kann ein raubkopierter Film am Bildschirm ohnehin nicht ersetzen.

Für Lehrkräfte, die kostengünstig mit ihrer Schulklasse ins Kino möchten, bietet das LMZ die SchulKinoWoche an, die vom 12. bis 18. März 2015 stattfindet.

Unterrichtsmodule

Folgende Unterrichtsmodule behandeln das Thema Urheberrecht:

 

Urheberrecht im Alltag

 

Filesharing - das Problem mit den Urheberrechten

Außerschulische Pädagogik, Datenschutz, Eltern, Film, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte

cos, 04.11.2014 um 11:57
Sehr schön finde ich den Ansatz, dass Kino ein schönes Gemeinschaftserlebnis sein kann.

Zum Thema Streaming: Es gibt die Rechtsauffassung, dass Streaming ein Zwischenspeichern notwendig macht, und deshalb einem Downlaoding entspricht - was bedeuten würde, dass Millionen von Jugendlichen in Deutschland illegales tun würden. Das aber ist nicht der Punkt, denn das sind juristische und technische Spitzfindigkeiten. Außerdem machen es solche Plattformen über links ins Ausland usw. so, dass sie nicht eindeutig illegal sind. Aber auch das sind letztlich juristische Kinkerlitzchen.

Ich finde, Jugendliche sollte verdeutlicht werden, dass sie hier illegales Material anschauen! (Und es IST illegal, ohne jede juristischen Zweifel). Würden sie eine geschenkte Uhr tragen, von der sie wissen, dass sie vorher geklaut wurde?

Vielleicht ja. Nur muss man sich eben auf der moralischen Ebene klar sein, dass man mit dem geklauten Eigentum anderer herumläuft. Nicht anders ist es mit kinox.to und ähnlichen Plattformen. Vielen ahnen es war, oder sind sich (unbewusst) darüber klar, nur muss es immer wieder laut ausgesprochen werden.

Sehr schön auch der kleine Hinweis auf die Schulkinowoche.
Werner, 09.12.2014 um 13:49
Leider zeigt die jahrelange Lobbyarbeit der Verwertungsgesellschaften anscheinend auch in den Köpfen vernunftbegabter Wesen ihre Auswirkungen, daher der Hinweis:

Kopieren digitaler Werke mag illegal sein, geklaut wird hier aber so was von überhaupt nix.

Die geklaute Uhr fehlt jemandem, der kopierte Film fehlt niemandem es ist einfach eine neue Kopie dazu gekommen - wunderbare digitale Welt, also lassen wir die hinkenden Vergleiche mit stofflichen Dingen und singen alle mit....youtube.com/watch?v=IeTybKL1pM4

Anschließend diskutieren wir mit den Jugendlichen über das Urheberrecht im digitalen Zeitalter und wer, wie seine Interessen durchsetzt....
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