MediaCulture-Online Blog

10.04.2014 | Anja Lochner

Mit Händen und Ohren: Ohrenspitzertag 2014

Zuhörförderung im Schulalltag

Wolfgang Kraft, Direktor des Landesmedienzentrums: „Hörerziehung ist aktueller denn je.“

Papageien, Affen, Schlangen, Frösche, Insekten – im Dschungel ist die Hölle los. Anfänglich zaghafte Geräusche wie Krächzen, Schnarren, Rasseln, Klappern, Quaken bilden allmählich einen bunten Klangteppich, steigern sich zu einem wilden Urwaldkonzert und ebben schließlich wieder ab, bis es ganz still ist im Filmsaal des Landesmedienzentrums (LMZ). Hier wird mit dem „akustischen Intro“ der Ohrenspitzertag 2014 eingeläutet.

 

 

Beim Projekt Ohrenspitzer stehen das bewusste Zuhören, die Zuhörförderung, das Experimentieren mit Klang sowie das Erstellen von Audioproduktionen im Mittelpunkt. Das Jahrestreffen am 4. April 2014 gab den Referentinnen und Referenten die Möglichkeit, sich neue Materialien und Methoden zur Hörerziehung anzueignen, neue Inputs für Schulungen zu bekommen und sich miteinander auszutauschen. Das neu erworbene Wissen geben sie dann wiederum weiter an Lehrerinnen und Lehrer, die gerne mal eine eigene Audioproduktion wie beispielsweise ein Hörspiel im Unterricht erstellen würden. Der Direktor des Landesmedienzentrums Wolfgang Kraft betonte in seiner Begrüßungsrede sowohl die gute Tradition als auch die Zeitlosigkeit dieses Projektes: „Auch wenn Ohrenspitzer jetzt ins zehnte Jahr geht, so ist es dennoch nicht in die Jahre gekommen, denn: Hörerziehung ist aktueller denn je.“ Das übergeordnete Ziel dabei lautet immer: Wie kann Zuhörförderung im Schulalltag aussehen?

Bildergalerie

Ohrenspitzer Gallery 2014: Arche

Ohrenspitzer Gallery 2014: Steffen Eifert

Ohrenspitzer Gallery 2014: Gruppe

Ohrenspitzer Gallery 2014: Gruppe 2

Ohrenspitzer Gallery 2014: Highlights

Ohrenspitzer Gallery 2014: Instrumente

Ohrenspitzer Gallery 2014: Hörspielkoffer

Ohrenspitzer Gallery 2014: Kissen

Ohrenspitzer Gallery 2014: Klangschale

Ohrenspitzer Gallery 2014: Material

Ohrenspitzer Gallery 2014: Morsen 1

Ohrenspitzer Gallery 2014: Morsen 2

Ohrenspitzer Gallery 2014: Sticknlisten

Ohrenspitzer Gallery 2014: Sticknlisten 2

Aktive Medienarbeit ist Präventionsarbeit

Spaßige Tools aus dem Ohrenspitzerkoffer.

Der Reiz, bei Ohrenspitzer mitzumachen, liegt für viele vor allem im praktischen Arbeiten. Ob sprechende Bilder, vertonte Gedichte, Schallexperimentiere – mit einfachsten Methoden lässt sich auch ohne PC kreativ und spielerisch arbeiten. Cordula Schonard, Referentin für Ohrenspitzer, mag zum einen die pädagogische Arbeit mit den Kindern, aber auch die dazugehörigen Elternabende. Zudem schätzt sie die gute Struktur der Website und dass dort „jede Menge praktisches Material wie zum Beispiel Audacity-Anleitungen zur Verfügung gestellt wird oder dass über Experimente berichtet wird.“ Projektkoordinator Steffen Eifert fasste zusammen: „Etwas Praktisches zu tun, mit den Händen, mit den Ohren – das macht Spaß!“ Thomas Herbst, am LMZ zuständig für Fortbildung und Beratung, rückte auch die Bedeutung der Medienpraxis für Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt: „Wenn ich aktive Medienarbeit von Anfang an im Unterricht ansiedle, ist das an sich präventive Arbeit, da für die Kinder direkt erfahrbar wird: Darf ich das fotografieren? Darf ich das posten? Will ich, dass andere entstellte Bilder von mir hochladen? Wenn man Kindern von Anfang an beibringt, sich Medien aktiv anzueignen, bereiten wir sie wunderbar vor.“

Neue Materialien und Methoden

Im Workshop Sticknlisten lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Projekt von Lukas Stegemann kennen, dessen Idee es ist, das Hörspielhören zu kombinieren mit dem Besticken einer Postkarte, eines T-Shirts o. ä., frei nach dem Prinzip Malen nach Zahlen. Stegemann ist Lehrer, drehte ursprünglich Filme und ist mittlerweile mit der Produktion seines vierten Hörspiels beschäftigt (Die Bremer Detektive). Eine Besonderheit der Reihe Die Bremer Detektive liegt darin, dass häufig Lokalgrößen mitsprechen, zum Beispiel der ehemalige Bürgermeister Henning Scherf oder Flo Mega. Natürlich lassen sich in Hörspielen auch Hinweise für Bilder- oder Kreuzworträtsel „verstecken“. Auch schön: Stegemann zeigte, wie man mit recht schlichten Mitteln den Sound des Star-Wars-Laserschwertes erzeugt.

Mit PowerPoint kann man Tierbilder einfärben oder mit Tönen unterlegen.

Im Workshop An der Arche um Acht stellte Ulrike Buckard neue Handreichungen für den Unterricht zum gleichnamigen Hörspiel vor, das zum Inventar des Ohrenspitzerkoffers gehört. In dem Hörspiel geht es um drei Pinguine, von denen lediglich zwei Tickets für die Arche Noah bekommen, sodass sich die Frage stellt: Wer darf mit, wer muss zurückbleiben? Oder gibt es doch noch eine andere Lösung? Nicht nur für Kinder ab der vierten Klasse ist dieses Thema interessant, sondern auch noch für die der achten oder neunten Klassenstufe. Und dadurch, dass die Pinguine so kindlich dargestellt werden und den Konflikt auf den Punkt bringen, sinkt die Hemmschwelle für die Kinder, ihre Meinung zu sagen., so Buckard. Das Thema eignet sich dabei nicht nur für die Fächer Religion, Ethik oder Deutsch, sondern kann zum Beispiel auch im Zusammenhang mit der entsprechenden PowerPoint-Folie in ITG eingesetzt werden (als Einführung in PowerPoint) oder auch im Kunstunterricht. Buckard verwies zudem auf die zahlreichen Möglichkeiten, die gerade dieses Hörspiel für die Audioarbeit bietet: ein Livehörspiel machen (z. B. Wie klingt Regen?), eine Klangkollage aus Tiergeräuschen erstellen, mit PowerPoint sprechende Bilder erstellen (Tierbilder mit Tönen unterlegen), Tierbilder einfärben oder auch ein Interview mit Noah durchführen (einen entsprechenden Interviewleitfaden gibt es in der Materialsammlung).

 

Im Workshop Hören mit Punkt und Strich von Anna Teresa Agüera Oliver tauchten die Referentinnen und Referenten nach einer theoretisch-historischen Einführung ab in die Welt der Morsezeichen. Im Zuge von Schreib-, Hör- und Gruppenübungen wurde schnell klar: Morsen erfordert sehr genaues Zuhören. Kinder finden im Übrigen recht schnell Gefallen an dieser Kommunikationstechnik, da sie ganz nah an eine Geheimsprache herankommt. Mittlerweile gibt es auch entsprechende Apps, z. B. Morsetransmitter.

Frühkindliche Hör- und Sprachförderung

Dr. Andreas Seimer ist Leiter der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie am Marienhospital Stuttgart.

Beim Vortrag Ich höre – nicht? Entwicklung von Hören und Sprache. Risiken im Alltag und Schule von Dr. Andreas Seimer, Leiter der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie am Marienhospital Stuttgart, ging es um die ganze Welt des Hörens. Das Spektrum reichte dabei von pränataler Schallwahrnehmung über vor- und nachgeburtliche Hörentwicklung bis hin zu Hörstörungen und neuen Erkenntnissen der Hör- und Sprachentwicklung. Abschließend betonte Seimer die immense Bedeutung von Kommunikation bereits im Säuglingsalter. So sollten sich Eltern von Anfang an ihren Kindern aktiv zuwenden und diese so früh wie möglich in Bezug auf Kommunikation und das Hören sensibilisieren.

Das Projekt Ohrenspitzer

Das Projekt Ohrenspitzer ist mittlerweile in 35 Landkreisen Baden-Württembergs vertreten und bietet ca. über 70 Veranstaltungen pro Jahr. LMZ-Direktor Wolfgang Kraft dankte im Rahmen des Jahrestages den Kreismedienzentren, an denen die Fortbildungen stattfinden, und betonte in diesem Zusammenhang besonders die gute Zusammenarbeit zwischen KMZ und LMZ. Ohrenspitzer wird gefördert von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) und des Südwestrundfunks (SWR).

 

Die Idee des Projekts zeigt Ihnen dieser nette kleine Film über Ohrenspitzer.

Links

Ohrenspitzer Baden-Württemberg

Materialien, Praxisbeispiele, Ohrenspitzerkoffer, Termine, Standorte u.v.m.

 

MediaCulture-Online: Audio

Radio, Podcast, Musikproduktionen: Nützliche Tipps zur digitalen Audiotechnik und Ideen für die pädagogische Praxis

 

Stiftung Zuhören

Projekte, Fortbildungen, Termine u.a. zum Thema Zuhören

 

GanzOhrSein

Ein modulares Handlungsmodell zu Hörenfördern und Hörenmachen mit Bausteinen zur Zuhörförderung

 

Auditorix

Hörspielwerkstatt der Landeszentrale für Medien (LfM) und Schule des Hörens für Kinder, Pädagoginnen und Pädagogen

 

Materialien zum Thema Hören

Materialbestellung bei der Landeszentrale für Medien (LfM), z.B. „Auditorix“, Broschüre „Der Sinn des Hörens“

 

Die Welt des Hörens

Website der Initiative Hören - Offensive für das Ohr

 

Schule des Hörens

Seite zur Förderung des Bewusstseins der Sinneskompetenz Hören

 

Hörspielbox

Alles rund um Sounds im Netz: Geräusche und Klänge online

 

Soundbearbeitung mit Audacity

Informationen und Anleitung für die Audio-Editing-Freeware Audacity mit Link zur Internetseite von Audacity (zum Download)

 

Gutes Hinsehen und Zuhören – Ratgeber für Eltern

Materialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zum Thema Lärm und Gesundheit

Unterrichtsmodule

Hören und Schwerhörigkeit

Hörspiel erstellen

Geräusche

Romeo und Julia – Erstellen eines Hörspiels

Hör-Rundgang durch unsere Schule

Klanggeschichten erzeugen

Kennst du schon Ken? – Ein Hörspiel über Soziale Netzwerke

Live-Hörspiel produzieren

Radio Play im Englischunterricht

Bilder: Thomas Herbst, Anja Lochner / LMZ

Audio, Außerschulische Pädagogik, Erzieherinnen und Erzieher, Grundschule, Lehrkräfte, Podcast, Radio / Podcast, Tagungsdokumentation

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*