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17.07.2014 | Robert Rymes

Klickköder, gemeine Apps und Trojaner – wie man „Fakes“ erkennt

Bild: ransomtech, Lizenz: CC BY-NC-SA

Das Internet hält das Wissen der Welt bereit, so heißt es. Doch darunter findet sich leider  auch einiges an „Müll“, da alle Menschen ohne redaktionelle Kontrolle Inhalte online stellen können. Dabei sind hier nicht nur Katzenbilder, Verschwörungstheorien oder jugendgefährdende Inhalte wie Pornographie oder Gewalt gemeint. Das Internet enthält auch so genannte Fakes (engl. Fälschungen), also Inhalte, die uns bewusst in die Irre führen sollen.

 

Für Kinder und Jugendliche ist dieser „Müll“ nicht immer als solcher erkennbar. In den letzten Monaten sorgte beispielsweise das Gerücht um die Chat-App Talking Angela, in der sich Nutzer mit einer sprechenden Katze unterhalten können, für großes Aufsehen. Angeblich hatte ein Pädophiler die App gehackt, um mit ihr Kinder auszuhorchen und schließlich zu entführen. Einige Schulsozialarbeiter berichteten von verängstigten Schülern, die sich auf Grund dieses Grusel-Gerüchts von der App verfolgt fühlten.

 

Ziel dieses Beitrags hier ist es, die Erkennungsmerkmale der Fakes herauszuarbeiten. Ferner werden ihre Verfasser und ihre Motive sowie mögliche Folgen für User im Falle der Täuschung kurz beleuchtet. Abschließend wird aufgezeigt, wie Kindern und Jugendlichen vermittelt werden kann, Fakes selbstständig erkennen zu können.

 

Eine Anmerkung: Aufgrund der schwierigen Quellenlage beziehen sich die meisten Quellenangaben auf das Portal Mimikama, das sich ausschließlich mit Fakes im Netz befasst. Leider ist die Website mit Werbung überfrachtet, die auf den ersten Blick nicht immer als solche zu erkennen ist. Dennoch wird hier darauf verwiesen, denn Mimikama ist eine der wenigen Quellen, die aktuelle und korrekte Informationen und Warnungen zu Fakes im Netz in ihren verschiedenen Erscheinungsformen zur Verfügung stellt. Seriöser aufgemachte, aber nicht so aktuelle Informationen gibt es beispielsweise auf der Seite des Hoax-Info Service der TU Berlin

Fakes, Hoaxes, Schwindeleien

Als Fake im Internetkontext bezeichnet man ein Imitat, einen Schwindel oder eine Vortäuschung falscher Tatsachen – auch Hoax genannt – die sich im Social Web rasend schnell verbreiten können. Im weiteren Sinne ist der Fake auch ein Begriff für den damit verbundenen Betrug. Außerdem gelten Schleichwerbung in Online-Bewertungen, Schwindeleien bei der Anbahnung von sozialen Kontakten und Cybergrooming (wenn Erwachsene im Internet gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen, um sie sexuell zu belästigen) als Fakes. Diese Formen werden hier jedoch nicht behandelt, da sie den Rahmen des Artikels sprengen würden.

 

Für Kinder und Jugendliche ebenfalls schwer zu erkennen ist Satire (z. B. Der Postillon). In Abgrenzung zu Fakes erfüllt Satire eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie überspitzt Zustände oder Missstände und verspottet sie.

 

Grundsätzlich kann man Fakes an drei Merkmalen erkennen, die im Folgenden ausführlich erläutert werden: Klickköder, unseriöse Aufforderungen und formale Fehlern.

Klickköder buhlen um Aufmerksamkeit

Jeder Fake nutzt Klickköder (engl. Click-Bait), mit denen er potentielle Opfer lockt. Grundsätzlich kann man drei unterschiedliche Köderformen unterscheiden:

Reißerische Fotos und Texte
Diese Inhalte sprechen die menschliche Sensationsgier an. Häufig locken Schock-Videos (oder zumindest das Versprechen darauf) oder reißerische Fotos, in denen Menschen zu Schaden kommen sollen. Typisch sind aber auch Überschriften wie beispielsweise „Unfassbar. Das geht unter die Haut“ auf der zweifelhaften Click-Bait-Seite Heftig.

 

Bedrohung
Viele Fakes spielen mit diffusen Ängsten der Nutzer oder bauen ein Bedrohungspotential auf, um sie unter Druck zu setzen. Auf diese Weise verbreitete sich Anfang dieses Jahres ein Kettenbrief über WhatsApp. Die Verfasser gaben an, Teil des „Facebook-Teams“ zu sein und verlangten vom Empfänger, die Nachricht an alle Kontakte weiterzuleiten. Ansonsten, hieß es, würde der WhatsApp-Account gelöscht werden.

 

Noch drastischer formulierte es Ende 2013 ein Kettenbrief, der sogar Morddrohungen enthielt. Webmagazin zitiert daraus:

 

„...um 23:58 werde ich dich in einer brutalen Art und Weise umbringen...und am nächsten Tag bist du schon längst tot, und deswegen werden deine Eltern dann auf einer brutalen und harten Weise umgebracht... Also rate ich dir dringend, diesen Kettenbrief weiter zu schicken...“

 

Dass solche Drohungen beängstigend wirken, ist verständlich. Die Polizei rät, solche Briefe nicht weiterzuschicken, sondern zu melden. Am besten sollte man präventiv mit Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit besprechen, dass sie einen solchen Brief erhalten könnten, damit sie vorbereitet sind, falls es passiert.

 

Gewinnversprechen
Selbstverständlich gibt es auch seriöse Gewinnspiele im Internet. Jedoch sollten vollmundige Gewinnversprechen mit dem gesunden Menschenverstand überprüft werden. So behauptete im vergangenen Jahr eine gefakte Facebook-Seite, 200.000 iPhones zu verschenken.

 

Angesichts solch eines Erscheinungsbildes ist es gar nicht so einfach, ein einigermaßen seriöses Gewinnspiel von einem gefakten zu unterscheiden. Auch auf dieses Problem sollte man Kinder und Jugendliche hinweisen.

Vorsicht bei aufdringlichen Aufforderungen

Fast alle Fakes fordern den Nutzer zu einer bestimmten Handlung auf. Im Folgenden drei Beispiele:

 

Installation einer App
Um auf Facebook an einem Gewinnspiel teilzunehmen, ist es durchaus üblich, die ausschreibende Seite liken zu müssen. Zu weit geht es aber auf jeden Fall, eine App installieren zu müssen. In der Regel muss der Nutzer dann auch noch zustimmen, dass die App in seinem Namen posten oder Nachrichten verschicken kann. Auf diese Weise verbreitet sich der Fake rasend schnell, wie es etwa 2012 bei gefälschten H&M-Gutscheinen.

 

Weiterleiten an Freunde
Auch der gute alte Kettenbrief hat den Sprung ins Internet geschafft. Aufforderungen, bestimmte Inhalte an 10 oder mehr Freunde weiterzuschicken, sind in aller Regel unseriös. http://www.mimikama.at/allgemein/whatsapp-kettenbriefe/

 

Preisgabe privater Daten
Vorsicht sollte stets geboten sein, wenn die Angabe privater Daten eingefordert wird. So kann man durch die bloße Angabe von Handynummer oder E-Mail in Abofallen tappen.

Auf formale Fehler achten!

Bild: Ted Rheingold, Lizenz: CC BY-NC

Organisationen und seriöse Blogger achten peinlichst auf eine korrekte Form ihrer Veröffentlichungen. Häufen sich Fehler, ist starkes Misstrauen geboten.

 

Rechtsschreib- und Grammatikfehler

 

Wörter in Großbuchstaben geschrieben
Dieser Bildzeitung-Stil hat zwar in hohem Maße Einzug in die private Kommunikation gehalten. Glaubwürdige Inhalte verzichten aber auf diesen marktschreierischen Stil, außer er hat einen konkreten Sinn – z. B. Eigennamen in der Werbung.

 

Mehrere Satzzeichen hintereinander
Enden Sätze mit mehreren Ausrufe- oder Fragezeichen, ist Skepsis angebracht.

 

Schlechtes, unprofessionelles Design
Häufig täuschen Fakes das Design bekannter Marken vor. Firmen achten sehr darauf, dass die Corporate Identity eingehalten wird. Im Zweifel lohnt sich ein Abgleich mit der echten Webseite des angeblichen Veranstalters – falls dieser überhaupt genannt wird.

 

Unbekannter Verfasser
Insbesondere bei gefakten Gewinnspielen wird häufig kein Veranstalter genannt oder die angegebene Firma existiert nicht. Entsprechend ist das angegebene Impressum auch gefälscht.

 

Verdächtige URLs oder Links
Es gibt Betrüger, die Websites nachbauen, um Nutzer in die Irre zu führen. In der Regel sind diese Seiten an einer abweichenden URL in der Suchleiste des Browsers zu erkennen.

 

Vorsicht auch bei verdächtigen Links. So verbreitete sich eine angebliche SMS von DHL, dass „Ihr DHL Packung“ geliefert wurde und die einen Dropbox-Link enthielt Selbstverständlich würde DHL nur auf eigene Webangebote verlinken.

 

Besteht ein Anfangsverdacht, sollten weitere Informationen mit einer Suchmaschine eingeholt werden. Über die Rückwärtssuche von Google Bilder kann auch die Herkunft von Fotos recherchiert werden. Lohnend ist auch hier ein Blick auf das Portal Mimikama.

Trolle, Betrüger und Hacker

Die Verfasser (Faker) sind anonym, oder geben vor, jemand anders zu sein. In der Regel kann man sie als Trolle, Betrüger oder kriminelle Hacker bezeichnen. Warum tun sie das?

 

Die Lust am Ärgern sowie Unruhe stiften und damit auch die Suche nach Aufmerksamkeit treibt so genannte Trolle im Netz an. Geht man ihnen auf den Leim, kann man verunsichert werden oder, wie im Fall Talking Angela, auch Angst bekommen. Außerdem belästigt man seine Freunde, wenn man Kettenbriefe von Trollen weiterleitet.

 

Betrüger versuchen, private Daten zu erbeuten, um sie zu Geld zu machen, oder unbemerkt Abos unterzujubeln. Die einzige zuverlässige Möglichkeit ist eine so genannte Drittanbietersperre, die kostenlos ist, jedoch von jedem Kunden erst bei seinem jeweiligen Mobilfunkanbieter beauftragt werden muss. Hat der Nutzer, wie die meisten, keine Drittanbietersperre hinterlegt, können Abokosten automatisch über die Handyrechnung abgebucht werden, ohne dass man es merkt.

 

Durch das Einschleusen von Trojanern oder Viren, versuchen Kriminelle sensible Daten (z. B. Bankdaten) zu erbeuten oder den Nutzer zu erpressen. In den vergangenen Jahren wurde insbesondere der so genannte Bundespolizei-Virus (auch BKA Virus oder GVU Virus) bekannt, der seit 2011 im Netz herumgeistert. Der Virus sperrt Windows-Systeme, sendet eine scheinbare Nachricht einer Behörde, z. B. der Bundespolizei, und entlarvt den Nutzer scheinbar, strafbares Material, etwa Kinderpornografie und / oder E-Mails mit terroristischen Inhalten, auf dem Rechner zu haben. Deshalb wird der Nutzer aufgefordert, sofort eine „Strafzahlung“ zu entrichten, um die Sperre aufzuheben – Ziel des Virus ist es also, Geld zu erpressen.

Kinder und Jugendliche kompetent machen

Schülerinnen und Schuler sollten lernen, Fakes selbstständig erkennen zu können. Als Methode können Kindern und Jugendlichen Fakes vorgelegt werden, die sie in Kleingruppen als solche entlarven müssen. Die oben dargestellten Merkmale können als Hilfestellung an die Hand gegeben werden. Mit älteren Schülern kann man eine Liste von Merkmalen gemeinsam erarbeiten.

 

Ergänzend sollte die Recherchekompetenz gefördert werden – also Suchergebnisse beurteilen und Quellen einschätzen zu können. Hierzu bietet das Klicksafe-Material Suchmaschinen kompetent nutzen geeignete Methoden an.

 

Auch bei SESAM gibt es einige Unterrichtsmodule, die sich mit diesen Themen beschäftigen: Medienmanipulation und Wirklichkeit, Phishing und Spyware, mit Kritischem Surfverhalten oder die Vor- und Nachteile von Smartphones bzw. Apps.  

Außerschulische Pädagogik, Datenschutz, Eltern, Internet / Web 2.0, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Werbung

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