MediaCulture-Online Blog

07.03.2014 | Ingrid Bounin

„Klein und leicht, schnell und mobil verfügbar“ – Tablets in der Schule

Minister Stoch beim Projekt „Tablet & Schule“; Bild: Jennifer Räpple/LMZ

„Heidenheim ist ein bildungspolitischer Trendsetter, der sich traut, neue Wege in der Schule zu gehen“, lobte Kultusminister Andreas Stoch beim Start des Tabletprojekts an der Bergschule (Grundschule) in Heidenheim. „Wir können in der Schule nicht so tun, als würde sich da draußen die Realität nicht verändern: Wir wissen, dass unsere Kinder diese Geräte privat schon sehr umfassend nutzen. Daraus leite ich als Bildungsminister den Auftrag für die Schule ab, den Kindern einen verantwortlichen und sinnvollen Umgang damit zu vermitteln.“

 

Und wer sich in den Klassen 4 a, b und c der Bergschule umschaute, konnte beobachten, dass die Kinder diesen sinnvollen Umgang bereits am ersten Tag praktizieren. Tim und Philip waren sich einig: „Da kann man ganz viel machen, viel mehr als sonst, und das macht Spaß. Wir finden alles, was wir brauchen mit dem da“, sie zeigen auf das Tablet vor ihnen, „und wenn wir was nicht wissen, schauen wir im Internet“. Vor ihnen stand eines der 15 Windows-Tablets (Surface), das über die paedML Novell und W-LAN vernetzt ist und das künftig zum Unterrichtsalltag der vierten Klassen der Bergschule gehören wird. Wischtechnik, Antippen mit einem Stift oder Tippen und Klicken via Tastatur – für Tim und Philip ebenso selbstverständlich wie für Alicia und Aurelia am Nachbartisch.

Medienkompetenz und Chancengleichheit fördern

Sabine Palinkas; Bild: Jennifer Räpple/LMZ

„Wir haben uns als erstes das Thema Europa vorgenommen, das wir fächerübergreifend (Deutsch, Mathe, MeNuk) und auf verschiedenen Niveau-Stufen erarbeiten. Einige der Kinder sind bereits zu Experten ausgebildet und können anderen Kindern beim Gebrauch der Tablets helfen“, erzählte Sabine Palinkas, die Rektorin der Bergschule. Ihre Schule setzt die Forderung von Kultusminister Andreas Stoch bereits um: „Es ist unsere Aufgabe, Kinder medienkompetent zu machen. Wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen, sondern wir müssen den Kindern die Möglichkeiten zeigen, die diese Medien ihnen bieten, und gleichzeitig auf eventuelle Gefahren aufmerksam machen. Wir können in der Schule die Grundlagen legen und gleichzeitig Chancengleichheit fördern. Kinder, die sich diese Geräte zu Hause nicht leisten können, lernen die Handhabung in der Schule.“

 

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) hat im Auftrag des Kultusministeriums für das zweijährige Projekt Tablet & Schule drei Pilotschulen ausgewählt, an denen die Geräte im Unterricht erprobt werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse fließen ein in Empfehlungen, die allen Schulen des Landes zur Verfügung gestellt werden. Die Kosten für die Anschaffung der 15 Tablets teilen sich in Heidenheim die Firma Voith als Sponsor und das LMZ.

Multimediale Alleskönner

Wolfgang Kraft; Bild: Jennifer Räpple/LMZ

„Tablets haben klare Vorzüge im Unterricht“, so Wolfgang Kraft, Direktor des LMZ. „Sie sind klein und leicht, schnell und mobil verfügbar, erlauben eine intuitive Nutzung und bieten viele Möglichkeiten als multimediale Alleskönner – von der Video-, Foto- oder Audioaufnahme bis hin zur gezielten und kontrollierten Internet-Recherche“. Das LMZ biete für das Tablet-Projekt auf Windows-Basis eine sichere technische Lösung, nämlich die PaedML, sowie die für Lehrkräfte sichere Distribution von urheberrechtlich und qualitativ geprüften Medien über SESAM. „Das Wichtigste ist für uns aber die pädagogische Begleitung wie hier in Heidenheim durch den medienpädagogischen Berater, Thomas Löcher. Er hat gemeinsam mit der Schulleitung ein medienpädagogisches Konzept verfasst und kann Kolleginnen und Kollegen didaktische Hinweise zum pädagogisch sinnvollen Einsatz der Tablets geben. Technik und Medien haben sich der Pädagogik unterzuordnen“, betonte Wolfgang Kraft. Darüber hinaus sieht der Direktor des LMZ weitere Vorteile im Einsatz von Tablets: Sie lassen sich ohne lange Aufbau- und Einrichtungszeiten flexibel in ganz unterschiedliche Unterrichtsszenarien einbetten und bieten dadurch neue Perspektiven des Medieneinsatzes. „Diese Geräte ergänzen die herkömmlichen Medien und Methoden, ersetzen sie aber nicht“.

Erfahrungen sammeln und weitergeben

Kinder beim Projekt „Tablet & Schule“; Bild: Jennifer Räpple/LMZ

Dadurch, dass die Tablets mit der PaedML ins Internet gehen, ist ein Jugendschutzfilter vorinstalliert. Darüber hinaus haben Schulleitung und Kollegium sich auf Anwendungen geeinigt, die den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt werden, etwa das Leseförderprogramm Antolin oder die spezielle Kindersuchmaschine Blinde Kuh.

 

Die Erfahrungen der drei Schulen, die am Projekt teilnehmen, werden vom Landesmedienzentrum ausgewertet und in das landesweite Beratungsangebot eingebunden, so dass bald alle Schulen von den Erfahrungen der Grundschule in Heidenheim, einer Realschule in Ravensburg und dem Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart profitieren können.

 

Thomas Löcher, selbst Lehrer an der Bergschule und medienpädagogischer Berater am Kreismedienzentrum Heidenheim, ergänzt: „Wir arbeiten viel mit Wochenplänen, und wir wollen schauen, wie wir die Tablets im Unterricht einbeziehen können. Nicht alle Schüler arbeiten gleichzeitig an der gleichen Aufgabe, so dass die Tablets nicht zu jeder Zeit bei jedem Schüler im Einsatz sind. Wenn sie nicht gebraucht werden, liegen sie unter der Schulbank. Wir wollen Schüler damit individuell arbeiten lassen und fördern“. Ein Beispiel für solch einen Wochenplan finden Sie hier.

Gezielter Einsatz des Arbeitsinstruments Tablet

Derweil herrschte in den Klassenzimmern reges Treiben. Während ein Teil der Schüler sich mit Arbeitsblättern, einem Atlas oder anderen Print-Materialien zum Beispiel über die Einwohnerzahl, die Flagge oder die größten Flüsse eines europäischen Landes schlau machte, recherchierten andere im Internet oder füllten ein Web-Quest aus. Wieder andere arbeiteten an einem Plakat oder malten die Flagge des Landes, aus dem sie selbst stammen.

Thomas Reinhardt; Bild: Jennifer Räpple
Bernhard Ilg; Bild: Jennifer Räpple/LMZ

„Man sieht“, so Oberbürgermeister Bernhard Ilg beim Rundgang durch die Klassenzimmer, „dass das Tablet ein Werkzeug zur Erledigung von Aufgaben ist, das gezielt und sachgerecht eingesetzt wird“. Er freue sich sehr, dass Heidenheim so intensiv in die Erprobung einer Medienbildung in der Grundschule eingebunden sei – immerhin seien zwei weitere Grundschulen an einem entsprechenden Projekt des Landesmedienzentrums beteiligt. Landrat Thomas Reinhardt ergänzte: „Wenn wir Tablets in den Unterricht einführen, dann heißt das nicht, dass nur noch alles über das Tablet läuft, sondern dass man sich genau überlegt, wann man dieses Instrument einsetzt“.

Medienpädagogisches Konzept der Bergschule Heidenheim: Digitales Klassenzimmer

Alle Informationen zum Projekt Tablet & Schule bei MediaCulture-Online

Eltern, Grundschule, Internet / Web 2.0, Lehrkräfte, Smartphone / Tablet, Werkstattbericht Tablet & Schule

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*