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02.12.2014 | Ingrid Bounin

Jugendliche Medienwelten – neue Erkenntnisse

Soeben wurde die JIM-Studie 2014 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest – eine jährlich stattfindende repräsentative Studie zur Mediennutzung von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren – veröffentlicht. Wir fassen die wichtigsten – durchaus bemerkenswerten – neuen Erkenntnisse zusammen.

In den Familien der Jugendlichen wird das Medienangebot immer größer und vielfältiger. So ist bei Handy (100%), Fernsehen (98%), Computer/Laptop (99%) und Internetzugang (98%) inzwischen eine Vollausstattung erreicht. Auch die Jugendlichen selbst nennen immer mehr Geräte und Mediendienste ihr Eigen.

Trotz dieser Gerätefülle sind nonmediale Aktivitäten für Jugendliche nach wie vor besonders wichtig. 79 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen verabreden sich täglich oder mehrmals in der Woche mit Freunden oder Bekannten – selbstverständlich gehört das Handy/Smartphone hier dazu, es ist in den Alltag integriert.

Handy ist das Wichtigste

97 Prozent der Jugendlichen besitzen ein Handy, davon sind 94 Prozent internetfähig, 73 Prozent der Jugendlichen verfügen zusätzlich über eine Internet-Flatrate und bei 88 Prozent der Jugendlichen ist das Handy bereits ein Smartphone (2012 waren das erst 47 Prozent). Apps gehören beim Smartphone selbstverständlich dazu. Neben WhatsApp – bei 84 Prozent der Jugendlichen ist diese App installiert – nutzen Jugendliche im Durchschnitt noch weitere 18 Apps, bei Erwachsenen sind es übrigens etwa 27 zusätzliche Apps. Lediglich ein Viertel der Jugendlichen hat auch kostenpflichtige Apps installiert. WhatsApp wird in der Rangliste der beliebtesten Apps gefolgt von Facebook (43 %) und Foto-Apps (26%, v.a. Instagram).  Im Durchschnitt rufen die Befragten WhatsApp übrigens nach eigener Einschätzung 26 Mal am Tag auf, allerdings tut es jeder Fünfte häufiger als 50 Mal am Tag. Da verwundert es nicht, dass mehr als die Hälfte der jugendlichen Handybesitzer der Aussage voll und ganz bzw. weitgehend zustimmt, dass sie zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringen. Sogar 55 Prozent fühlen sich zeitweise genervt von den eingehenden Nachrichten.

Mehr zu Handy/Smartphone finden Sie hier, mehr zu WhatsApp und Apps hier.

Arbeiten mit Computer und Laptop

Drei Viertel der Jugendlichen arbeiten mit einem eigenen Computer oder Laptop (76%), 20 Prozent mit einem eigenen Tablet-PC (manche nutzen sogar mehrere Geräte). Dies bedeutet nahezu Vollversorgung (96 Prozent) bei der Computerausstattung. 92 Prozent der Jugendlichen können vom eigenen Zimmer aus ins Internet. Befragt danach, womit sie ins Internet gehen, stehen erstmals Smartphones an der Spitze, 86 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie mit dem Smartphone ins Netz kommen, 82 Prozent tun dies (auch) mit Computer oder Laptop. Auch in diesem Bereich haben die Tablets deutlich zugelegt, bereits 22 Prozent der Jugendlichen nutzen solche mobilen Geräte, um ins Internet zu kommen.
 
Sehr interessant sind auch die Erkenntnisse zu den beliebtesten Angeboten im Internet. Inzwischen führt hier YouTube mit 30 Prozent die Rangliste an, gefolgt von Facebook (23%) und WhatsApp (11 %, obwohl es sich hier eher um einen Kommunikationsdienst als um ein Internet-Angebot handelt). Seit langem (2008) zeigt sich allerdings bei den Online-Aktivitäten ein gleichbleibendes Muster: Jugendliche nutzen das Internet vor allem zur Kommunikation (44%), zur Unterhaltung (25%), zum Spielen (18 %) und zur Informationsbeschaffung (13%).

Soziale Netzwerke

Die Nutzung von Sozialen Netzwerken (Online-Communities) scheint nach Darstellung der JIM-Studie rückläufig. Gaben 2012 noch 87 Prozent der Jugendlichen an, diese Netzwerke zumindest selten zu nutzen, sind es 2014 „nur“ noch 73 Prozent. Zwar führt Facebook hier nach wie vor die Rangliste an, wird aber ergänzt durch Instagram (13 Prozent) und WhatsApp (11 %). Bemerkenswert ist hier allerdings, dass Jugendliche offensichtlich YouTube zwar als beliebtestes Internet-Angebot angeben, die Plattform offenbar aber nicht als Online-Community wahrnehmen. Das ist erstaunlich, denn auch dort können eigene Nutzerkonten angelegt werden. 50 Prozent der Jugendlichen nutzen diese Möglichkeit, kommunizieren und bewerten auf YouTube ähnlich wie auf Facebook.

Offensichtlich werten Jugendliche die Nutzung von YouTube als „Unterhaltung“ und nicht als Kommunikation in einem Sozialen Netzwerk. Knapp 60 Prozent der Jugendlichen schauen regelmäßig Videos im Internet an oder hören Musik oder Sounddateien. Vermutlich spielt hier YouTube eine zentrale Rolle.

Mehr zu Sozialen Netzwerken finden Sie hier.

Jugendliche Mediennutzung für die Schule

Computer und Internet werden auch regelmäßig für die Erledigung schulischer Aufgaben genutzt, und zwar zu Hause im Durchschnitt 51 Minuten am Tag. Dabei tauschen sich die Jugendlichen mit Mitschülern über Hausaufgaben aus (48%), lesen im Internet etwas nach oder suchen (44 %). Ein Fünftel gibt an, regelmäßig Texte für die Schule zu schreiben.

 

In der Schule selbst fällt die Computer- und Internet-Nutzung geringer aus. Nur 16 Prozent geben etwa an, dass sie täglich im Unterricht etwas im Internet nachlesen/suchen, noch einmal 21 Prozent tun dies einmal pro Woche. Nur 12 Prozent der Gymnasiasten und 18 Prozent der Schüler anderer Schularten geben an, regelmäßig in der Schule am Computer Texte zu schreiben.

Datensicherheit und Cybermobbing

Es sieht ganz so aus, dass Jugendliche immer mehr für den Schutz ihrer Daten sensibilisiert sind. Nur noch 46 Prozent der Jugendlichen geben an, dass sie sich bezüglich ihrer Daten sehr sicher oder sicher fühlen. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch zehn Prozentpunkte höher. Leider sagt die JIM-Studie nichts darüber aus, welche Maßnahmen Jugendliche ergreifen, um ihre Daten zu schützen.

Insgesamt 17 Prozent der Jugendlichen (plus 5 Prozent gegenüber 2013) berichten, dass über ihre Person schon einmal Falsches oder Beleidigendes im Internet verbreitet wurde, besonders stark betroffen davon sind die älteren Jugendlichen im Alter von 16 oder 17 Jahren. Und 14 Prozent der Befragten geben an, dass schon einmal peinliche oder beleidigende Videos oder Fotos von ihnen ohne vorherige Autorisierung online gestellt wurden. Auf die Frage, ob es jemanden im Bekanntenkreis gibt, der schon mal im Internet oder übers Handy fertig gemacht wurde, antworten sogar 38 Prozent mit „ja“ – ein Plus von 6 Prozent gegenüber 2013.
 
Weiterführende Informationen zu Datenschutz und Cybermobbing haben wir in unserem Bereich Jugendmedienschutz zusammengestellt. Dort finden Sie unter „Pädagogische Praxis“ auch Unterrichtsbeispiele zu den jeweiligen Themen.

Spielen

Digitales Spielen findet inzwischen über eine Vielzahl von Mediengeräten statt, 69 Prozent der 12- bis 19-Jährigen spielen regelmäßig an Computer, Konsole, Tablet, Handy oder online. Handyspiele nehmen dabei eine Spitzenposition ein, knapp 50 Prozent der Jugendlichen geben an täglich oder mehrmals pro Woche mit dem Handy ein digitales Spiel zu spielen.

Weiterführende Informationen zu digitalen Spielen finden Sie hier.

Lesen

Entgegen allen Unkenrufen: Jugendliche greifen noch immer zu etwa 40 Prozent freiwillig zum gedruckten Buch, 22 Prozent sogar täglich. Dabei liegen die Mädchen wie auch in den vergangenen Jahren vorn, 51 Prozent der Mädchen schmökern täglich oder mehrmals pro Woche, während es bei den Jungs nur 28 sind. Mehr zum Thema Lesen finden Sie hier.

Die Studie ist komplett im Internet verfügbar. Für die JIM-Studie 2014 – Jugend, Information, (Multi-)Media – wurden 1 200 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren telefonisch zu ihrer Mediennutzung befragt. Herausgegeben wird die JIM-Studie vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs).

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