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14.04.2011 | Elke Albrecht

„Mit Filmen sehen lernen“: Interview mit Manfred Rüsel

"Denn es gibt bedeutungslose Worte, aber es gibt kein bedeutungsloses Bild."

(Béla Balázs)

Im Rahmen der 5. SchulKinoWoche Baden-Württemberg fand am 17. Februar 2011 eine Fortbildung zum Thema „Filmanalyse im Unterricht“ im LMZ Karlsruhe statt. Wir sprachen mit dem Referenten Manfred Rüsel, der selbst auch als Lehrer tätig ist, über Filmbildung an deutschen Schulen.

 

Auszüge aus dem Interview:

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Werdegang?

„[...] Über Berlin Alexanderplatz, die Rainer-Werner-Fassbinder-Verfilmung, bin ich nicht nur der Faszination Film erlegen, sondern hab‘ auch gemerkt, dass man da was für unseren Berufsstand herausziehen kann. Das war Mitte der 1980er-Jahre und da war der Umgang mit Film oder Literaturverfilmung an den Hochschulen zwar schon verbreitet, aber er hat bei Weitem noch nicht den Eingang in den Unterricht gefunden. [...]“

 

Wie sehen Sie die Funktion der SchulKinoWochen?

„[...] Wir können hier während der Unterrichtszeit mit der Klasse an einen außerschulischen Lernort, nämlich ins Kino, gehen und finden dort eine optimale Rezeptionssituation vor [...]. Wenn wir an den SchulKinoWochen teilnehmen, dann bedeutet das aber auch, dass ich den Filmbesuch vorbereiten und nachbereiten muss. Dann werden die Schülerinnen und Schüler feststellen, dass der Film auch andere Facetten hat als einfach nur gut oder schlecht zu wirken oder langweilig oder spannend zu sein, sondern dass man [...] auch andere Möglichkeiten hat, den Film als unterrichtlichen Gegenstand einzusetzen.“

 

Filmbildung ist in Frankreich stärker in der Schule integriert. Kann man von den Nachbarn lernen?

„[...] Es ist nach wie vor so, dass die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen sich davor scheuen, Film einzusetzen. Das hat damit zu tun, dass Filmbildung nicht integraler Bestandteil der Lehrerausbildung ist, obwohl es integraler Bestandteil der Lehrpläne ist. [...] Für mich müsste die Filmbildung bereits verankert sein im Studium. [...] Das zweite Problemfeld ist das Stundenplanraster. Wie schaff‘ ich es, in dem dichten Lehrplan den Film vernünftig, adäquat zu behandeln? Dazu bedarf es [...] dass man Freiräume schafft für diesen Bereich.“

 

Was würden Sie einem Lehrer entgegnen, der der Überzeugung ist, dass ein Buch generell besser ist als ein Film?

„[...] Dem Kollegen könnte ich entgegenhalten, dass er vielleicht noch nicht gelernt hat den Film zu dechiffrieren. Denn ich hoffe ja auch, dass auf der Fortbildung klar wird, mit welchen Möglichkeiten Film auf den unterschiedlichen Ebenen narrativ arbeiten kann: von der Bildgestaltung über die Tongestaltung bis hin zur Montage. [...] Ich denke, man kann so ein Urteil, dass der Roman besser sei als der Film, nur vor dem Hintergrund unserer Fixierung auf den Text erklären.“

 

Weitere Informationen zum Thema Filmanalyse

Manfred Rüsel: Reader zur Film- und Fernsehanalyse

Bausteine zur Filmanalyse - Filme lesen lernen

Film, Interview, Lehrkräfte, Sekundarstufe

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