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16.09.2010 | Jiří Hönes

Geschichtshefte als Blogs – Interview mit Johannes Gienger

Bild: Arnim Weischer/LMZ

Johannes Gienger, Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt und Leiter des SMZ Stuttgart, hat über zwei Schuljahre Blogs im Geschichtsunterricht eingesetzt. Er verfolgte den Ansatz der Schülerblogs – also die Schülerinnen und Schüler betreiben jeweils ihre eigenen Blogs und nutzen sie als digitales Schulheft. Entstanden ist die Idee zunächst aus reinem Pragmatismus: Der Unterricht sollte in digitaler Form stattfinden, mit PC, Beamer und interaktiver Lernsoftware. Und da dies nur im Computerraum möglich war, waren die Schulhefte an den Arbeitsplätzen nur im Weg. Warum also nicht komplett auf digital umstellen? Dank der einfachen Handhabung der Blogsoftware entstanden so umfangreiche und informative Schülerseiten, die sich aus Unterrichtssoftware und Internetquellen speisten. Nebenbei lernten die Schülerinnen und Schüler Grundprinzipien der Erstellung und Gestaltung von Internetseiten kennen.


Im Interview berichtet Herr Gienger von seinen Erfahrungen mit dem bloggestützten Unterricht. Wir hoffen, damit auch andere zu ermutigen, das Modell zu verfolgen und weiterzuentwickeln.

 

Herr Gienger, Sie sind Leiter des SMZ Stuttgart und zudem als Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt tätig. In welchen Unterrichtszusammenhängen haben Sie bislang Blogs eingesetzt?

Also, ich habe im Schuljahr 2008/09 und 2009/10 über zwei Jahre hinweg im Fach Geschichte, Klasse 9 und 10, das Schulheft bloggen lassen. Das ergab sich aus dem Umstand, dass ich mich entschieden hatte, den gesamten Unterricht in digitaler Form abzuwickeln, das heißt computergestützt. Weil das auch ein Experiment war, durfte ich für diese Zeit im Computerraum unterrichten, das war so mit dem Schulleiter abgesprochen. Ich hatte also immer Computer, wenn ich wollte, das heißt nicht, dass man sie immer eingesetzt hat, aber doch sehr häufig. Ich hatte immer einen Beamer, und die Schüler/-innen hatten auch private Rechner zu Hause. Das meiste was wir an Software hatten, war vom Copyright her so angelegt, dass die Schüler/-innen das auch mit nach Hause nehmen konnten. Die Produkte von medialesson zum Beispiel sind hier in Baden-Württemberg als Landeslizenz eingeführt, und insofern können die Schüler/-innen das auch an ihren Privatrechnern verwenden. Bislang gab es glücklicherweise noch keine Probleme wegen Copyrightverletzungen oder Ähnlichem. Des Weiteren haben wir Materialien von SESAM eingesetzt, auch da wurde das vorher mit dem Landesmedienzentrum abgesprochen, und auch da gab es keine Probleme hinsichtlich des Copyrights.

 

Also, es wurden dann Elemente von diesen Materialien auf den Schülerblogs veröffentlicht, aber es war rechtlich abgeklärt, dass das erlaubt ist?

Ja genau. Also, es war erlaubt. In diesem Fall haben wir die Blogs auch bewusst offen gehalten, dass da auch andere reinschauen können. Wenn man sich als Lehrer unsicher fühlt oder das zum ersten Mal macht, kann man die Blogs auch passwortgeschützt anlegen, auch wenn man etwa Material verwendet, bei dem man nicht sicher ist hinsichtlich dem Copyright. Das habe ich auch mit der Rechtsabteilung hier im Landesmedienzentrum besprochen. Dann ist das quasi ein Zwiegespräch zwischen Lehrer und Schüler/-in und dann ist es an sich nach meinem Kenntnisstand relativ unproblematisch.

 

Haben die Schüler/-innen ihre Blogs auch gegenseitig besucht?

Also, es hat sich ja nach und nach herausgestellt, dass es Schüler/-innen gab, die das mit großer Begeisterung gemacht haben, das war etwa die Hälfte der Klasse, ein weiteres Viertel hat es ordentlich gemacht, und ein letztes hat es eher schlecht gemacht. So sind wir dann nach und nach dazu übergegangen, Referenzblogs zu benennen. Es waren allen Schüler/-innen alle Blogadressen bekannt, man hat sozusagen eine Liste angelegt. Nach meiner Erfahrung, also wie ich das so beobachtet habe, sind die Schüler/-innen eigentlich nur wechselseitig auf die Blogs gegangen, wenn sie noch etwas nachtragen mussten. Denn es war ja schon verpflichtend, dass die Blogs in einem einigermaßen vergleichbaren Zustand waren. Sie haben sich dann beispielsweise von den Referenzblogs noch ein Bild oder einen Text geholt.

 

Geben die Schüler/-innen dann ihren echten Namen oder Nicknames in den Blogs an?

Die geben die echten Namen an. Ich habe dann eine Klassenliste mit den jeweiligen URLs der Schülerblogs und kann die so direkt aufrufen und schauen, was bei den Schüler/-innen jeweils gerade so läuft. Die Blogs sollten natürlich thematisch alle das gleiche beinhalten. Die Themen / Menüpunkte und damit die Struktur waren vorgegeben, aber klar, der eine hat dann etwas mehr Bilder und ausführliche Texte, der andere eher weniger.

 

Und die Materialien stammen alle aus der im Unterricht verwendeten Software?

Genau, das war die Software, die hier landesweit lizenziert ist, also konkret Imperialismus und Erster Weltkrieg und Nationalsozialismus von medialesson und vor allem Bildmaterial aus SESAM und vereinzelt Material aus einer Software zur Weimarer Republik von dem Realschullehrer Bernd Seitz. Auch da dürfte es lizenzrechtlich keine Probleme geben. In der Regel handelte es sich um freies Bildmaterial auch z.B. aus Wikipedia, das als gemeinfrei ausgewiesen war.

Wie war die Rückmeldung von Schülerseite zu dieser für viele sicher neuartigen Unterrichtsmethode?

„Hoppla, der meint das ernst“; Bild: Arnim Weischer/LMZ

Ich bin eigentlich dagegen, irgendwelche Euphorie zu verbreiten, aber ich würde sagen, am Anfang war die Begeisterung bei den Schüler/-innen sehr groß, auch weil an der Schule bisher relativ wenig mit dem Internet oder mit Software gearbeitet wurde. Natürlich haben die Schüler/-innen dann irgendwann gemerkt „Hoppla, der meint das ernst“. Also, mir ging es nicht darum, hier auf Schicki-Micki-Tour zu beeindrucken nach dem Motto „Ich bin einer, der hier mit Neuen Medien arbeitet“, sondern der Ansatz war rein pragmatisch. Das heißt, es war für mich einfach praktischer, mit vorhandenen digitalen Materialien zu arbeiten – und wenn ich dann schon im Computerraum bin und etwas mit Software am Beamer erarbeite, dann macht das mit dem Schulheft Schwierigkeiten: Man müsste die Arbeitsergebnisse dann erst ausdrucken und ins Heft einkleben, dann hat man unter Umständen zu viele Materialien, das war mir einfach zu kompliziert. So war dann der zweite Schritt, dass die Schüler/-innen für das Erarbeitete eine Textdatei anlegen sollten. Zwei Schüler haben das auch durchgehalten und haben das ganze Material in eine Datei in Word eingebaut mir am Schluss geschickt bzw. auf einem Stick zur Durchsicht mitgegeben, und ich konnte das dann kontrollieren. Ich wollte ja wissen, ob die Schüler/-innen im Unterricht eigentlich mitarbeiten oder nicht. Nachdem das Bloggen dann von zwei Schülern vorgemacht war, haben die meisten tatsächlich einen Blog eingerichtet und haben diesen dann außerordentlich eifrig beschickt. Das ging dann über fast zwei Schuljahre, wovon das erste, also Klasse 9, völlig unproblematisch war. Also, es gab keinerlei Motivationsschwächen; was natürlich unterschiedlich war, war die Qualität der Blogs. Es gab wenig bis keine kritische Rückmeldung, im Gegenteil. Das hielt dann an bis kurz vor Ende der Klasse 10. Da hatte ich dann schon auch mal eine kritische Rückmeldung, was meiner Meinung nach unter anderem an der relativ heftigen Stofffülle und dem an sich weniger attraktiven Stoff – Antikes Griechenland und Mittelalter – lag, das konnte dann der mediale Unterricht auch nicht mehr auffangen. Es war natürlich auch ein gewisser Gewöhnungseffekt da, das muss man realistischerweise sagen. Wobei ich das in einer Mittelstufenklasse durchaus wieder machen würde, weil ich einfach mehr Vorteile gegenüber einer normalen Heftführung sehe, wenn ich auch versuchen würde, bestimmte Schwachstellen zu vermeiden, auf die wir noch zurückkommen können.

 

Sehen die Schüler/-innen dann auch Vorteile in der optisch ansprechenderen Aufbereitung in einem Blog gegenüber dem vielleicht sudeligen Heft?

Ja und nein. Natürlich sieht es appetitlicher aus und das motiviert generell mehr. Aber das Hauptproblem war, das wurde in Klasse 10 immer deutlicher, die Stofffülle. Das heißt, wenn ich mit copy & paste arbeiten kann, dann besteht die Neigung, dass man zu viel in den Blog reinstellt, ihn aufbläst und am Ende nicht mehr weiß, was davon jetzt wichtig ist und was nicht. Als ich dann diese Tendenz erkannte, habe ich angefangen, so genannte Rote Fäden zu diktieren oder anzuleiten, in denen dann das Wichtigste zu einem Thema zusammengefasst wurde. Das mussten dann alle einstellen und das war dann auch zu lernen. Also, es war schon eine gewisse Verbindlichkeit da, auch vom Lernstoff her. Nur weil man gebloggt hat, hieß das jetzt nicht, dass man die Materie nicht lernen sollte. Man müsste natürlich mit Vergleichsklassen arbeiten, um wirklich sagen zu können, ob der Lernerfolg aufgrund der besseren Motivation größer war. Den Verdacht habe ich schon, aber beweisen könnte ich es auf der Grundlage nicht.


Ich habe auch immer wieder die Schüler/-innen befragt und auch angeboten, das Projekt wieder abzubrechen, falls das Interesse abgenommen hätte. Nach dem ersten Halbjahr war das gar kein Thema und auch nach dem ersten Halbjahr der 10. Klasse war keine große Diskussion, es wurde weiter gebloggt. Nur gegen Ende des zweiten Halbjahres der 10. Klasse, das habe ich vorhin gar nicht erwähnt, gab es auch technische Probleme mit dem Beamer, und einzelne Stunden waren dadurch stark beeinträchtigt. Die Kombination aus den technischen Problemen und dem weniger attraktiven Stoff in Klasse 10 (Antike und Mittelalter) war dann natürlich nicht günstig. In solchen Fällen besteht dann schon die Gefahr, dass so ein Projekt abkippt. Aber, wie gesagt, insgesamt war das ein tolles Erlebnis und es hat mir persönlich auch als Lehrer viel Spaß gemacht.

 

Es ist ja sicher auch schön, die fertigen Produkte von Schüler/-innen zu sehen. Kam es eigentlich vor, dass die Schüler/-innen dann untereinander mit copy & paste arbeiten, also voneinander „abschreiben“, oder wurde nur aus den zur Verfügung gestellten Medien kopiert?

Also es kam beides vor, es gab das Extrem des copy & paste, also dass Schüler/-innen gesagt haben „Ich hol’ das einfach von meinem Nebensitzer“, wobei das natürlich bei Klassenarbeiten genauso abgefragt wurde wie beim normalen Unterricht – wir haben drei ganzstündige Klassenarbeiten im Jahr geschrieben. Des Weiteren macht man ja, wenn der Lehrer etwas an die Tafel anschreibt, auch nichts anderes als copy & paste. Es ist vielleicht insofern etwas schlechter, dass die Schüler/-innen nur noch Klicks machen, während sie beim Abschreiben von der Tafel noch eine Handlung durchführen und eher gezwungen sind, den Stoff aufzunehmen, wobei da auch zu hinterfragen ist, ob das tatsächlich stattfindet. Aber ja, es kam vor. Das andere Extrem war, dass ein Schüler eigene Tagebücher aus dem Stoff entwickelt hat. Das heißt, der Blog hat ihn so motiviert, dass er die Themen in Form von Tagebüchern aufgearbeitet hat, es war also eine sehr kreative Tätigkeit. Es kam auch vor, dass sie Filme bei YouTube gesucht und die dann in die Blogs eingebaut haben. Es heißt, es war so ein wenig, wie viele Geschichtsdidaktiker verlangen, dass Geschichte immer auch ein Stück weit eine eigene Konstruktion darstellt. Das gab es, wenn man so will, im Ansatz auch, denn sie konnten und sollten an bestimmten Stellen durchaus selbst passende Quellen, Bilder, Ton- oder Videodokumente suchen und einbauen. Auf diese Weise wurde auch die Kreativität der Schüler/-innen gefördert. Ein Blog ist ja auch ein Stück Selbstdarstellung, und man weiß zusätzlich, dass er in der Öffentlichkeit einsehbar ist, und man steht dadurch auch etwas mehr unter Druck.
Ich war einmal auf einer Fortbildung in Hessen eingeladen und hab’ das dort auch propagiert, da waren auch Schüler/-innen dabei und die haben gesagt, „Da kann der Lehrer ja jeden Tag reinschauen und kontrollieren, was ich da mache, das wollen wir aber nicht haben“. Das heißt, es setzt immer voraus, dass die Schüler/-innen sich auf die neue Arbeitsweise freiwillig einlassen, und dann wird das auch so gemacht, aber bitte dann auch durchgängig.

 

Wie lief dann eine Unterrichtsstunde üblicherweise ab, gab es eher selbstgesteuertes Arbeiten oder Vorträge?

Beides. Die hauptsächlichen Unterrichtsmethoden sind die gleichen wie üblich, nur dass ich beim Vortrag digitale Vorlagen habe, die im Idealfall gut ausgearbeitet sind, so dass ich da als Lehrer ein Stück weit entlastet bin und auch die Schüler/-innen Vorlagen haben. Das heißt, es kommt zum einen der Lehrervortrag mit Hilfe von digitalen, anklickbaren Medien vor, was mir kolossale Vorteile gibt, zum anderen kann mit der Software auch schülerzentriert gearbeitet werden, da die Materialien im Computerraum auf dem Server liegen. In einer Phase haben wir dann mit dem Internet gearbeitet. Es gibt da eine fundierte Seite, 60xDeutschland, da kann man sowohl lehrerzentriert in Vortragsform arbeiten als auch die Schüler/-innen selbst zu vorgegebenen Fragestellungen recherchieren und das Wichtigste zusammenfassen zu lassen.

Also in der Art von WebQuests?

Als Quellen dienten Lernsoftware und ausgesuchte Internetseiten; Bild: Arnim Weischer/LMZ

Ja genau, die Schüler/-innen können die Ergebnisse dann unter Umständen direkt im Unterricht in ihre Blogs einstellen. Das kann man nicht mit vielen Seiten machen, aber gerade bei dieser Internetseite geht das sehr gut. In der nächsten Stunde werden die Ergebnisse dann beispielsweise gemeinsam besprochen, und wenn dann Aspekte fehlen, kann ich als Lehrer dann sagen, dass hier noch etwas ergänzt werden muss, und das wird dann auch direkt umgesetzt.

 

Die Blogs werden also direkt im Unterricht befüllt?

Ja, das kann man so machen, die Schüler/-innen waren dann auch recht fix im Tippen, sie waren fast so schnell wie im Schreiben mit der Hand. Es gab aber auch Hausaufgaben, dass sie etwa selbst etwas recherchieren oder zum Beispiel einen fiktiven Zeitungsartikel zu den Folgen des Ersten Weltkriegs aus französischer oder deutscher Sicht erstellen sollten. Alle Varianten sind letztendlich möglich: das parallele Einstellen von im Unterricht erarbeiteten Sachverhalten oder von Diskussionsergebnissen oder eben das Einstellen von eigenständig erarbeiteten Inhalten. Hier gibt es dann im Anschluss immer noch eine Kontrollrunde, wo die Arbeiten dann korrigiert, ergänzt oder gekürzt werden.

 

Wie fließen die Blogs in die Bewertung ein?

Im ersten Jahr habe ich die Blogs wie eine Klassenarbeit bewertet, was natürlich bedeutet hat, dass ich die ganzen Blogs durchschauen musste. Anfangs hat man auch noch mit Rechtschreibfehlern und Ähnlichem gekämpft, das war recht zeitaufwändig, so dass ich das dann im zweiten Halbjahr nicht mehr so gemacht habe, sondern eher, wie man es normalerweise bei Heften macht, dass man sie einfach stichprobenartig durchschaut. Man kann dabei auch schon sehen, ob der Schüler oder die Schülerin auf dem Laufenden ist und ob der Blog noch gepflegt wird. An bestimmten Stellen, wo Aufgaben gestellt worden waren oder Kreativität gefordert war, da schau’ ich dann genau nach. Wir haben dann in dem Halbjahr zwei Klassenarbeiten geschrieben und die Blognote war nicht mehr so gewichtig.


In manchen Fällen hat dann der Blog auch zur besseren Note geführt, etwa bei vier oder fünf Schüler/-innen. Tendenziell hatten Schüler/-innen, die gut in Geschichte sind, auch gute Blogs. Es gab also alles, wie in einer ganz normalen Klasse auch. Es waren auch jetzt nicht alle mit dem Unterricht zufrieden, nur weil man gebloggt hat. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass sich das Bloggen positiv auf den Lernerfolg ausgewirkt hat. Und nebenbei, was ja nicht so unwichtig ist, wurde auch noch Medienkompetenz erworben.

 

Klar, man lernt zunächst mal mit einem einfachen Content Management System (CMS) umzugehen und grundlegende Gestaltungsprinzipien einer Internetseite anzuwenden, was ja auch nicht unwesentlich ist.

Und einige Schüler/-innen haben sicher dadurch auch die Motivation bekommen, an einer Medien-AG in den Ferien teilzunehmen.

Sind die Blog-Anbieter von Ihnen vorgegeben oder hieß es einfach „Sucht euch was raus und macht mal!“?

Die Schülerinnen und Schüler wählten die Blog-Anbieter selbt aus; Bild: Arnim Weischer/LMZ

So war’s, das war freigestellt. Ich hab sie einfach suchen lassen und sie sind auch recht schnell fündig geworden. OverBlog hat zum Beispiel keine Werbung. Zwei Schüler haben da allerdings auch daneben gegriffen und einen Anbieter genommen, der Werbung geschaltet hat, teilweise sogar ziemlich lästig, aber die meisten haben dann OverBlog ohne Werbung genommen.

 

Kam es auch vor, dass Schüler/-innen im Unterricht völlig abgedriftet sind, im Sinne von Surfen oder Mails Abrufen?

Also, vom Ablauf war es meistens so: Ich kam so etwa zehn Minuten vor Beginn des Unterrichts, die Schüler/-innen waren meistens schon da, weil sie in der Tat frei surfen wollten und hingen dann auch tatsächlich bei Browserspielen und so weiter. Mit dem Läuten habe ich dann über die Schulkonsole alle Bildschirme erstmal blind geschaltet und habe in den Unterrichtsstoff eingeführt. Es kam sicher punktuell vor, dass sie abgedriftet sind, doch durch die Sitzanordnung in Hufeisenform konnte ich ganz gut sehen, was sie so treiben. Manche musste man vielleicht zwei Mal ermahnen, aber sonst ging das ganz gut. Wenn jemand schon fertig war und dann noch fünf Minuten surfen wollte, dann hab’ ich’s auch zugelassen.

 

Wie waren die Reaktionen von der Elternseite auf den Blogunterricht? Gab es da Zustimmung, Kritik oder Bedenken?

Ich habe mal eine Mutter kontaktiert und sie gebeten, bei den Eltern mal nachzufragen, sie hat dann eine E-Mail-Umfrage gestartet. Die Rückmeldungen waren da sehr positiv, die Eltern waren froh, dass jemand mal versucht, zeitgemäß zu arbeiten. Was die Eltern, glaube ich, immer sehen wollen, ist, dass man wirklich am Stoff bleibt und dass Leistung verlangt wird. Das wurde dann überwiegend positiv bewertet. Ich hatte gleich zu Beginn beim Elternabend erklärt, was ich vorhabe. Bei den späteren Elternabenden wurde ich dann nicht mehr eingeladen und das ist wohl ein Zeichen gewesen, dass es alles in Ordnung war – auch wenn ich gerne noch mehr darüber erzählt hätte. Ich hatte aber auch sonst nie große Probleme mit Eltern – Eltern sind Bündnispartner.

 

Hat die Schule die Medienbildung in ihrem Profil verankert oder sind sie dort in dieser Richtung eher ein Vorkämpfer?

Also, die Ausstattung der Schule ist eher bescheiden, es gab auch keinen Netzwerker. Der Netzwerker war der Schulleiter, der Schulleiter hatte keine Zeit und das ist auch das, was zum Schluss zum Problem wurde, als der Beamer defekt war und dann zwei Wochen gefehlt hat. Da hat einfach die Betreuung gefehlt. Auf der anderen Seite war die Einstellung des Schulleiters sehr positiv, er war eigentlich der, der an der Schule am besten mit PCs umgehen konnte und hat den Einsatz auch begrüßt, nur die Betreuung war das Problem, wie an vielen Schulen.

 

Herr Gienger, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Wer sich ein Bild von den Blogs der Schülerinnen und Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums machen will, findet in den folgenden Links einige Beispiele:

 

http://geschichte.philip.over-blog.de/

http://verenageschichte.over-blog.de/

http://lenizingg.over-blog.de/

http://mini2.over-blog.de/

http://doro-doro.over-blog.de/

http://tcmredam.oyla15.de/

http://Benny.over-blog.de/

Blogs, Geschichte, Internet / Web 2.0, Interview, Lehrkräfte, Schreiben / Recherchieren, Sekundarstufe

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