Tierbilder par excellence: der Fotobestand Paysan
Naturwissenschaftliches Bildmaterial
Tier- und Pflanzenfotos aus dem renommierten Stuttgarter Bildarchiv Paysan werden über das
LMZ-Fotoarchiv vertrieben. Nach und nach können jetzt die Bilder in einer Datenbank nach Stichwörtern oder Themen recherchiert, individuell getroffene Bildauswahlen auf CD gebrannt und verschickt werden. Der Zugriff über Internet ist in Vorbereitung.
Durch die Zusammenarbeit mit dem LMZ haben jetzt auch Lehrkräfte Zugriff auf das naturwissenschaftlich fundierte Bildmaterial. Alle Bilder sind mit deutschem und lateinischem Namen usw. verschlagwortet.
Vita Klaus Paysan
Zwanzig Semester lang war er "ewiger Student" an der Technischen Hochschule Stuttgart. Zum Trödeln hatte er dennoch keine Zeit, denn schon vor Beginn des Studiums wusste er, dass die Fotografie von naturwissenschaftlichen Motiven für Verlage einmal sein Beruf werden würde. So waren neben Chemie die Vorlesungen in den angewandten Naturwissenschaften und Kunst und Philosophie sein Hauptziel. Noch heute ist er stolz darauf, dass er seine Ausbildung ohne staatliche Hilfe nach eigenen Vorstellungen durchstehen konnte.
Mit Aufnahmen bei Hochzeiten, Tanzstunden-Abschlussbällen und Festen verdiente er seinen Lebensunterhalt und die Gelder für das Studium und erwarb sich intensive Kenntnisse in Fotografie und Blitztechnik. Schon 1951 waren Bilder von ihm und seinem Bruder Hans auf der photokina ausgestellt, ab 1952 war er Fotolehrer im Jugendhaus Stuttgart und schrieb für verschiedene Fotozeitschriften Artikel. Zahlreiche Bildveröffentlichungen in Schulbüchern und Diareihen für den Schulunterricht folgten. Die chemischen Kenntnisse von Hans und Klaus Paysan, die damals als Gebrüder Paysan zusammen arbeiteten, führten zu guten Kontakten zur Fotoindustrie und zur Erprobung neuer Filme und Entwicklungsmethoden. Im Lauf des Lebens engagierte er sich ehrenamtlich in den Fotografenverbänden: Pressearbeit in der Fotografeninnung seit 1954, BFF seit 1975, in der DGPh und im Vorstand des BVPA in den achtziger Jahren. Daneben war Klaus Paysan Mitbegründer eines Abenteuerspielplatzes und in Aquarienvereinen als Vortragender gerne gesehen.
Nach der Heirat mit der Illustratorin und Autorin Angela geb. Roth 1960 begannen die Reisen nach Afrika. Aufträge zuerst von VW, dann von Daimler Benz gaben den finanziellen Rückhalt für die Reisen, die der Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt Afrikas dienten. 1964/ 65 wurde ein Teil der Fahrtkosten vom Kosmos Verlag als "Kosmos Afrika Safari" gesponsert und die folgenden Publikationen in der Zeitschrift Kosmos führten zur Verleihung der Wilhelm-Boelsche-Medaille in Silber 1967 zusammen mit Wernher von Braun, der die goldene Medaille für seine Weltraumexperimente erhielt.
Der Auftrag von Agfa für das Afrikadiarama auf der photokina 1966 war noch ganz von der Tierfotografie bestimmt, wie die Führungen der Fotosafaris in den siebziger Jahren. Doch schon 1964/65 drängten die Interessen am Leben der afrikanischen Menschen die rein naturwissenschaftliche Dokumentation zurück. 1968 erschien Paysans erstes völkerkundliches Buch, nachdem 1959 ein Band über Stuttgart und 1963 das Buch "Naturfotografie für Jedermann" erschienen war. Aquarienfische waren seit frühester Jugend sein Hobby.
Insgesamt vier Aquarienbücher und acht Jahre Herstellungsleitung und Bildredaktion einer Aquarienzeitschrift erlaubten ihm, seinen Studien zum Leben und den Kulten der Menschen in Afrika nachzugehen. Der enge menschliche Kontakt, die Tatsache, dass Klaus Paysan die Afrikaner nicht als ethnologische Studienobjekte missbrauchte, sondern in menschlicher Teilnahme an ihrem Leben und ihren Kulten partizipierte, führte zu einer ganzen Reihe ehrenvoller traditioneller Titel. Freund des Königs, Shey, Faay, ShuuFaay in Nso und anderen traditionellen Königreichen der Tikar, Nji in Foumban, Tah So und Mwembe in Bafoussam und assoziierte Mitgliedschaften in Obasi Njom und anderen Kulten haben seine privaten völkerkundlichen Studien erleichtert und seine fotografischen Freiheiten gewährleistet. Besonderen Wert legt Klaus Paysan darauf, dass er diese Aktivitäten ohne die Zwänge eines staatlichen Auftrags oder der Förderung durch staatliche Institutionen erfolgreich durchführen konnte. 1980 erschien das von ihm illustrierte Buch "Afrika in eigener Sache". Mit der Ausstellung in der damaligen Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart, beginnt die Auswertung seiner völkerkundlichen Studien, Fotografien und Sammlungen mit dem Ziel, die Menschen im traditionellen Leben in Afrika in ihren menschlichen Qualitäten herauszustellen und zu rehabilitieren. Wegen der bekannten Exzesse, die uns immer wieder im Fernsehen und den Zeitschriften vorgeführt werden, ist eine falsche Meinung über die Mentalität der Afrikaner verbreitet. Der weitaus größte Teil der ländlichen Bevölkerung Afrikas hat nichts damit zu tun, im Gegenteil, diese Menschen sind die Betroffenen.
Klaus Paysan verdankt der Begegnung mit den afrikanischen Menschen außerordentlich viel.Wer hat ihn schon vor 1960 einmal richtig lachen gesehen? Bevor er sich zum stillen Forscher im Chemielabor entschloss, hatte er sogar schon daran gedacht, Jesuit zu werden. Das Temperament der afrikanischen Menschen, das unbeschwerte Lachen, dem man in Afrika so häufig begegnet und auch das explosive Temperament vieler Afrikaner hat sein Verhalten stark beeinflusst. Auch die Neigung zur Selbstisolation und die Beurteilung der Wichtigkeit des Datenschutzes wurde durch die afrikanische Realität stark gestutzt. Schon durch seine Farbe und durch seine Größe fiel er allenthalben auf und seine Tätigkeit als Fotograf und Reiseleiter regte die Neugier der Leute an. Ihn stört es seit seinen Fahrten nach Ägypten und dem Sudan in den sechziger Jahren nicht mehr, wenn er auf Schritt und Tritt von der Fremdenpolizei überwacht wird. Im Gegenteil, die Überwachung kam ihm oft zu Hilfe. Selbst im Getümmel der großen Städte wurde ihm aus dem offenen Auto nichts geklaut, wenn er den Wächter in Zivil nur über seine Pläne richtig informiert hatte und einmal rettete ihm ein Kamelreiter das Leben, als er seinen Unimog auf einem schönen Platz seitlich der Straße aufgestellt hatte. Die breiten Unimogreifen hatten direkt neben den Landminen tiefe Spuren in den Sand gegraben und in Fahrtrichtung stand er zum Übernachten zwanzig Zentimeter vor einer explosiven Falle.
Paysan fand heraus, dass die Neugier der Afrikaner nicht nur aus Sensationslust besteht, sondern dass ihnen menschliches Mitgefühl noch näher steht als die Freude am Pech des anderen.
Dass man sich im Busch mit Schwäbisch gut verständigen kann ist für ihn keine Sensation. Wer den Dialekt seiner Jugendzeit mit voller Ausdruckskraft der Mimik und der Gestik unterstützt und mit den Worten genau das ausdrückt, was er denkt und will, den verstehen Leute ohne anerzogene Dialektphobie ganz leicht, denn sie wollen ihn ja verstehen!
Luise Paysan (2000).




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