Praxisforum 2: Plattformgestütztes und mobiles Lernen

Im Praxisforum Plattformgestütztes und mobiles Lernen beim Bildungskongress Medienbildung in der Schule drehte sich alles um die schulische Arbeit mit Tablets. Neben der Frage nach der benötigten technischen Ausstattung standen vor allem konkrete Anwendungsbeispiele sowie die Vorstellung einer neuen digitalen Lernumgebung des LMZ im Mittelpunkt.

Tablets ersetzen eine Fülle an Mediengeräten

Thomas Herbst; Bild: Christian Reinhold/LMZ

Thomas Herbst (LMZ)  ging in seinem Vortrag vor allem auf die Chancen des Tableteinsatzes in der Schule ein. So ersetzen die mobilen Endgeräte eine Vielzahl an Mediengeräten wie Kamera, Scanner, Mikrofon und beinhalten eine ganze Fülle an Apps zur kreativen Nutzung dieser Funktionen. Die Geräte ermöglichen zudem eine hohe Mobilität, lassen sich intuitiv bedienen und bieten alles in allem viel „Material“ für wenig Gewicht. Trotz der augenscheinlichen Vorteile stellen sich beim Einsatz von Tablets in der Schule allerdings nach wie vor einige grundlegende Fragen: Wie lassen sich die Geräte sinnvoll in den täglichen Unterricht integrieren und welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten bieten sie für Lehr-Lern-Kontexte? Arbeiten sie auch auf längere Sicht zuverlässig? Welcher Administrationsaufwand muss aufgebracht werden? Bieten sie einen echten „Mehrwert“ für den Unterricht?


Es lässt sich grundsätzlich festhalten, dass die reine Beschaffung der Tablets noch keine gelingende Medienbildung garantiert. Vielmehr hängt dies davon ab, wie die Geräte schlussendlich in die schulische Arbeit integriert werden. Das LMZ unterstützt Schulen genau auf diesem Weg und bietet direkte Vor-Ort-Betreuung durch medienpädagogische Berater sowie Schulnetzberater. Weiterführende Infos zum Projekt Tablet und Schule finden Interessierte hier.

Vorüberlegungen beim Kauf von Tablets

Roland Walter (LMZ) machte ebenfalls deutlich, dass ein vorschneller Kauf einer großen Menge an Tablets nicht zielführend sei und zunächst einige Vorüberlegungen zu treffen sind. Bei der Auswahl des Tablet-Modells sollten Schulen zukunftsorientiert denken und berücksichtigen, dass die Geräte in zwei Jahren möglicherweise nicht mehr im Handel erhältlich sind. Die hieraus entstehende Heterogenität beim Nachkauf von neueren Geräten kann so zu technischen Problemen führen. Für Schulen empfiehlt es sich also, sich vor dem Kauf ausführlich beraten zu lassen und Teststellungen zu fordern. Sollte die Schule noch nicht über eine leistungsfähige WLAN-Struktur verfügen, so muss auch die Einrichtung dieser Struktur in der Kostenplanung berücksichtigt werden. Denn ohne ein funktionierendes WLAN sind die Nutzungsmöglichkeiten der Tablets in jedem Fall eingeschränkt. Auch die logistischen Rahmenbedingungen der Schule müssen bedacht werden: So muss sichergestellt sein, dass im Schulgebäude ausreichend Steckdosen sowie zentrale Ladestationen für die Geräte vorhanden sind. Auch eine Versicherung der Geräte gegen Schäden aller Art empfiehlt Roland Walter allen Schulen, die sich auf den Weg machen.

Netzwerklösung erforderlich

Roland Walter und Thomas Herbst; Bild: Christian Reinhold/LMZ

Neben der Beschaffung der Tablets müssen Schulen die Notwendigkeit einer strukturierten und zuverlässigen Netzwerklösung berücksichtigen. Tobias Mundel und Roland Walter stellten hierzu die Pädagogische Musterlösung (paedML) und ihre Funktionen auf mobilen Endgeräten vor. Die paedML des Landesmedienzentrums bietet auch auf mobilen Endgeräten alle Vorteile, die bereits von der Arbeit mit stationären PCs bekannt sind. Neben der zentralen Verwaltung aller angelegten Schülerinnen und Schüler können über die Netzwerklösung Dateien direkt an bestimmte Benutzergruppen verteilt und nach der Bearbeitung wieder eingesammelt werden. Auch bei der Arbeit mit Tablets kann die Lehrkraft auf die Bildschirme der Lernenden zugreifen und so beispielsweise direktes Feedback geben, aber auch eine unsachgemäße Nutzung von Software schnell unterbinden. Schüler/-innen können ihre Arbeit vor der Lerngruppe präsentieren, indem der Bildschirm des jeweiligen Tablets auf dem PC der Lehrkraft angezeigt und so per Beamer projiziert werden kann. Die restlichen Tablets können in dieser Zeit mit einer Eingabesperre versehen werden, um so die Aufmerksamkeit der Lerngruppe auf die Präsentation zu lenken.

Praxisbeispiele des Tableteinsatzes

Thomas Löcher, medienpädagogischer Berater und Lehrer an der Bergschule Heidenheim, setzt im Rahmen des Projekts Tablet & Schule Tablets seit etwa eineinhalb Jahren im Unterricht ein. Er ging vor allem auf konkrete Anwendungsbeispiele ein und berichtete von seinen Erfahrungen an der Schule. Thomas Löcher verwendet die Tablets dabei nicht nur projektartig und in gesonderten Unterrichtsstunden. Bestimmte Arbeitsaufträge der Wochenplanarbeit müssen in seinem Unterricht immer mit Hilfe des Tablets erledigt werden. Hierzu benötigt nicht jede/r Schüler/-in ein eigenes Tablet: Es reicht aus, wenn etwa sechs bis zehn Tablets (je nach Klassengröße) vorhanden sind. Sind alle Tablets besetzt, arbeiten die Lernenden einfach an anderen Aufgaben weiter. Mit Hilfe der App Fotostory ließ Thomas Löcher seine Schüler/-innen bereits eine Bilderschau zum Thema „Unsere Stadt“ erstellen. Die Klasse fotografierte hierzu wichtige Gebäude und fasste wichtige Informationen zu den jeweiligen Bauwerken in der App zusammen. Auch ein Erklärvideo zum Wasserkreislauf erstellten seine Schüler/-innen bereits mit Hilfe der Videofunktion. Derzeit erprobt die Bergschule Heidenheim weitere Einsatzmöglichkeiten der Tablets. Neuigkeiten und ausführliche Berichte zu den Erfahrungen können Sie hier nachlesen.

Digital unterrichten im Lernraum

Eva Burkard; Bild: Christian Reinhold/LMZ

Eva Burkard und Matthias Rummel (beide LMZ) stellten abschließend eine digitale Lernumgebung für mobile Endgeräte und PCs vor, die den Namen Lernraum trägt. Der Lernraum ermöglicht es Lernbegleitern, Lerneinheiten digital vorzubereiten, online zu arbeiten und zu kommunizieren. Dies alles geschieht in einer datenschutz-, urheberrechts- und lizenzrechtlich abgesicherten Umgebung, die intuitiv nutzbar ist und über die gängigen und etablierten Touch-, Wisch- und Drag & Drop-Funktionen verfügt. Zudem bietet der Lernraum Zugriff auf die SESAM-Mediathek und damit auf über 100 000 geprüfte Medien (z.B. Filme, Bilder, Arbeitsblätter und vieles mehr).


Aktuell steht der Lernraum für Windows-8.1- und Windows 10-Tablets sowie PCs zur Verfügung. Entsprechende Versionen für iOS-Geräte (Apple) und im weiteren Entwicklungsstadium eine Desktop-Variante für Windows-7-Rechner sowie für Android-Systeme sind ebenfalls in Planung. Zurzeit wird der Lernraum im Schüler-Medienmentoren-Programm (SMEP) erprobt. Bei Fragen zum Lernraum können Sie sich an Eva Burkard oder Matthias Rummel wenden. Weitere Infos finden Sie hier.