Journalistische Elemente für die Radioarbeit

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Die journalistischen Elemente wie Interview, Umfrage, Beitrag, Feature, Kommentar etc. kommen heutzutage häufig nicht mehr in ihrer Reinkultur vor. Es sind vielfältige Mischformen entstanden, die je nach Sender variieren. Nahezu bei jeder Radiostation werden die Text-Elemente mit Musik und Geräusch-Pointen verpackt und/oder unterlegt. Die Grundstrukturen der journalistischen Elemente haben sich aber kaum verändert, daher werden sie hier kurz vorgestellt. Eines der wichtigsten Elemente für Redakteurinnen und Redakteure ist der O-Ton.

O-Ton

Um Berichterstattung möglichst authentisch zu gestalten, verwendet der Journalist oder die Journalistin besondere akustische Formen. Dabei sind vor allem die Originaltöne (O-Ton) zu nennen. Dies sind akustische Aufnahmen vom Ort eines Geschehens von Beteiligten oder Betroffenen oder Augenzeugen; das können mitgeschnittene Interviews oder auch nur Hintergrundgeräusche, sogenannte Atmo sein.

 

Jeder O-Ton hat eine bestimmte Funktion. Er kann beschreibend, hin-, ver- und beweisend, kontrastierend und karikierend sein.

 

Originaltöne dienen dazu, den journalistischen Text zusätzlich mit Information zu unterfüttern oder eine Argumentationslinie weiterzuführen. Oft dienen sie auch dazu, einen persönlichen Eindruck von Betroffenen wiederzugeben, ohne informativen Inhalt.

 

O-Töne führen eine Argumentation oder Erzählung weiter, geben eine andere Perspektive wieder oder geben ein bestimmtes Hintergrund-Klangbild ab um die Handlung oder das Geschehen oder andere akustische Ereignisse einzubetten. Oder der O-Ton und die Atmo stehen für sich und argumentierten abgeschlossen oder agieren erzählerisch.

 

Ein O-Ton kann in einer authentischen Umgebung vorgefunden aber auch selbst produziert sein, er wird durch das Herauslösen aus einem akustischen Kontext durch den Schnitt verfremdet. Die Bearbeitung ist eine wesentliche Eigenschaft des O-Tons.

 

Dem Zuhörer ist es in der Regel gleichgültig, wo der O-Ton herkommt und wie er entstanden ist. Es ist meist schwer nachprüfbar, ob der O-Ton wirklich authentisch ist, er besitzt dadurch nur eine relative Authentizität.

 

O-Töne von Personen sollten innerhalb eines Radiobeitrags von einer Moderation eingeführt werden, damit deutlich wird, wer die Sprecherin oder der Sprecher des O-Tons ist.

Atmo

Atmo ist genau genommen ebenfalls ein Originalton, er hat im Allgemeinen eine ästhetische, weniger eine informative Dimension. Sie dient dazu, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen oder zu unterstützen. Sie ist eher hintergründig und begleitend.

 

Atmo ist z.B. das Rascheln der Blätter bei einem Spaziergang durch einen Park bei dem ein Gespräch zwischen zwei Personen aufgenommen wird. Bei einem Bericht über die Stausituation auf einer Autobahn ist das Motorengeräusch im Hintergrund eine mögliche Atmo. Das Statement eines genervten Autofahrers ist in diesem Fall der O-Ton.

 

Der Einsatz von Atmo sollte aber behutsam erfolgen, da sonst der Effekt eher comichaft und durch die Übertreibung ungewollt komisch wirkt.

 

O-Töne werden vor allem in Nachrichtensendungen, Beiträgen, Interviews und in Features verwendet, Atmo kommt fast nur in längeren Reportagen oder Features zum Einsatz.

Die Nachricht

Die Nachricht soll die „Wirklichkeit“ so gut wie möglich schildern. Streng genommen sollen Realitäten nicht inszeniert werden, nur der Text und eventuell Original-Töne sollen sprechen. Dabei ist oberste Priorität, dass der Schauplatz und die Handlung der Beteiligten beschrieben werden. Inzwischen ist es aber durchaus üblich Nachrichten in Szene zu setzen und mit Effekten und O-Tönen einem Ereignis besondere Bedeutung zu verleihen. Dennoch gilt: Die Nachricht ist aktuell, informativ, objektiv, korrekt, leichtverständlich.

 

Lieferanten sind Korrespondentinnen und Korrespondenten sowie Agenturen:

dpa - Deutsche Presseagentur

ap - Associated Press

rtr - Reuters

AFP - Agence France Presse

lsw - Landesdienst Südwest (von dpa)

sid - Sport-Informations-Dienst

epd - Evangelischer Pressedienst

kna - Katholische Nachrichtenagentur

Aufbau einer Nachrichten-Meldung

Das Wichtigste zuerst – und das ist immer die Kernaussage. Es folgen weitere Informationen mit abnehmender Bedeutung. Formulieren Sie kurze Sätze (12 bis 15 Wörter). Die fünf W-Fragen werden beantwortet: Was? Wer? Wann? Wo? Warum?

 

Nachrichten vermitteln Fakten, keine persönliche Wertungen der Redakteurin oder des Redakteurs.

 

Als Kriterien dafür, ob etwas eine Nachricht wert ist, können die drei Ns gelten: Nähe – Nutzen – Neuigkeit.

Die O-Ton-Meldung

Wer Radio hört, begegnet diesem neuen Element andauernd, egal ob innerhalb einer Nachrichten-Sendung oder zwischen zwei Musiktiteln. Sie kann sowohl rein sachlich und informativ über ein Ereignis berichten, als auch eine Veranstaltung ankündigen, Klatsch und Tratsch über eine Prominente oder einen Prominenten verbreiten oder einen Tipp für das alltägliche Leben weitergeben. Der Ton einer O-Ton-Meldung kann daher auch lockerer sein als in einer Nachrichtensendung. Dennoch folgt auch dieses Element journalistischen Grundregeln. Die fünf Ws müssen auch mit der O-Ton-Meldung beantwortet werden: Wer? Wann? Wo? Was? Warum?

 

Meist übernimmt die Moderatorin oder der Moderator diesen Part und der O-Ton gibt eine Erläuterung, Ergänzung oder Einschätzung dazu, also eine zusätzliche Information.

 

In jedem Fall gilt: Der O-Ton sollte das Gesagte nicht wiederholen, sondern etwas Neues bringen.

Der Beitrag

Der sogenannte „gebaute“ Beitrag (oder auch O-Ton-Bericht) ist der „große Bruder“ der Nachricht. Hauptmerkmale des Beitrags sind:

  • Er informiert sachlich über alle fünf W-Fragen (Was – Wer – Wann – Wo – Warum?).
  • Er ist länger als eine Nachricht und bringt Zusatzinformationen, Hintergründe und Wertungen.
  • Er sollte in der Regel mehrere Sichtweisen zu Wort kommen lassen, inzwischen verzichten viele Sender aber auf diese journalistische Tugend.
  • Eine klare Gliederung ist gefragt: das wichtigste am Anfang, dann folgt Weiteres mit abnehmender Wichtigkeit.
  • Er kann nur Autorentext, aber auch sogenannte Originaltöne (O-Töne) enthalten.

Typischer Aufbau:

  • Text – O-Ton – Text – O-Ton – Text...
  • Die Fakten erzählt der Autor.
  • Die O-Töne bringen Neuigkeiten, Wertungen, Atmosphärisches (news and views).

Das Porträt

Das Porträt ist eine Form des „gebauten“ Beitrages. Es berichtet über eine Person, ist wesentlich persönlicher als der informierende O-Ton-Bericht, es darf auch werten. Hier reichen die O-Töne der oder des Porträtierten aus.

Das Feature

Das Feature ist ebenfalls eine Form des „gebauten“ Beitrags. Es verbindet Hintergründe und Atmosphärisches. Ursprünglich war das Feature immer ein längeres Hör-Stück, das verschiedene akustische Elemente zum Einsatz brachte. Inzwischen kann ein Feature aber auch eine kurze  „Geschichte“ sein, die Journalistisches und Künstlerisches verbindet, hier kommen neben den O-Tönen auch Geräusche und Musik-Untermalung ins Spiel.

 

Der Begriff „Feature“ erscheint in den Rundfunkprogrammen der BBC in den 30er-Jahren zum ersten Mal. Eine „Feature-Story“ war zwischen der reinen Nachricht und der persönlichen Meinung des Journalisten angesiedelt, während „Featured Programmes“ besonders hervorgehobene Radiopogramme bezeichneten.

 

Das Wort Feature bedeutet soviel wie „Charakterzug“, „Besonderheit“, „sich auszeichnen durch“, „herausstellen“. Der Begriff Feature lässt sich auf das lateinische Wort facere („machen“) bzw. factua („das Gemachte“) zurückführen.

 

Beim Feature treffen sich journalistische wie künstlerische Elemente und gestalten eine Darstellungsform, die sich durch ihre Schwierigkeit der Ein- und Unterordnung in eine bestimmte radiojournalistische Grundform auszeichnet.

 

Die Betonung liegt also auf der Verwendung von verschiedenen Elementen und Mitteln aus der Literatur, dem Theater und der journalistischen Berichterstattung.

 

Hintergrundwissen, Zitate und Ton-Dokumente, Kommentare, Monologe etc. können hier montiert werden, um ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. In einem Kommentarteil erklärt der Autor seinen eigenen Standpunkt und übersetzt die zu behandelnden Geschehnisse in seine eigene Sichtweise und Sprache. Nachgespielte Szenen aus der Literatur, die zum Beispiel der Illustrierung dienen können, wenn über einen Romancier berichtet wird, kann mit professionellen Sprechern und Schauspielern geschehen. Damit begibt sich die Form an die Grenze zum Hörspiel.

 

Weitere Elemente aus anderen Literatur- und Rundfunk-Genres sind besonders im Wort-Feature der Dialog, Monolog, Kurzszenen und Szenengruppen. Essay und noch mehr das Feature berichten aus der Sicht des Autors, sie sind Ausdrucksformen einer subjektiven Sichtweise.

 

Die Produktion eines Features oder eines Essays vollzieht sich ähnlich wie beim Hörspiel. Nur werden in der Vorarbeit alle Register der journalistischen Arbeit gezogen.

 

Will man ein Feature zu einem bestimmten Thema machen, z.B. über die Zeit während der Abiturprüfungen, dann können die verschiedenen radiofonen Formen verwendet werden. Möglich sind Interviews von betroffenen Schülern, Lehrern oder Eltern über den Prüfungsstress und dessen Begleiterscheinungen, ein Monolog eines Schülers beschreibt womöglich seine innere Unruhe, kurze gespielte Szenen geben die Erleichterung bei der Ergebnisbekanntgabe wider oder die Diskussion mit den Eltern beim Beichten eines schlechten Ergebnisses.

 

Das Thema wird also von vielen Seiten beleuchtet, kommentiert und dargestellt. Zur Auflockerung oder als Übergang zu einem weiteren Themenkomplex kann thematisch sinnvolle Musik (sogenannte Akzent-Musik) dienen oder ein witziger und sinniger immer wiederkehrender O-Ton eines Lehrers, des Hausmeisters oder einer anderen Person.

 

In einer Klassengemeinschaft lassen sich Gruppen bilden, die sich überlegen, wie sie an das Thema herangehen wollen und dies dann ebenfalls in kleinen Gruppen nach und nach umsetzen. Eine oder mehrere Personen fungieren als Regisseure, die die Gesamtkoordination übernehmen, dem Produkt sozusagen einen stimmigen Anstrich geben.

 

Sind die Texte und das Drehbuch soweit fertig konzipiert, dann wird produziert. Interviews werden aufgenommen, Szenen vor dem Mikrofon eingespielt, O-Töne gesammelt, Musik ausgesucht. Alles wird in einer Endmischung auf Tonband oder in einen PC übertragen und miteinander gemischt und verblendet. Danach kann das fertige Feature gesendet und/oder auf eine CD gebrannt werden.

Das Interview

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Das Grundprinzip eines Interviews lautet: viele Fragen an eine Person. Ein Interview im Radio kann verschiedene Funktionen erfüllen:

  • Es kann zur Erläuterung von komplizierten Sachverhalten dienen.
  • Es kann um die Vorstellung einer Person gehen.
  • Es kann darum gehen, eine Meinung oder Wertung eines Experten einzuholen.

Vor dem Interview sollte man einige Fragen klären:

  • Warum führe ich dieses Interview – was soll der Hörer davon haben? D.h. ich muss das Infoziel festlegen.
  • Kann der mögliche Interviewpartner zum Thema wirklich etwas Wichtiges und vor allem Informatives sagen, ist sie oder er Experte?
  • Weiß ich selbst genug über das Thema oder die Person, um gute Fragen stellen zu können, und wo könnte ich die nötige Information her bekommen?
  • Habe ich meine Fragen sorgfältig vorbereitet? Schreiben Sie sich Ihre Fragen ruhig auf. Beim Interview ist es dann aber besser die Fragen frei vorzutragen, anstatt sie vom Blatt zu lesen.

Es ist durchaus nützlich beim Interview einige wichtige Aspekte zu beachten:

  • Stimmt die Gesprächsatmosphäre? Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für ein Interview, auch wenn Ihr Interviewpartner nicht viel Zeit zur Verfügung stellen kann. Informieren Sie Ihr Gegenüber wofür das Interview gedacht ist, eventuell wann es gesendet wird, wer Sie sind.
  • Hauptperson beim Interview ist der oder die Befragte, das Interview dient nicht der Selbstdarstellung des Reporters. Man sollte den Interviewpartner ernst nehmen, d.h. zuhören und eventuell bei einem interessanten Punkt nachhaken.
  • Das Interview besteht aus mehr als drei Fragen, auch wenn später nicht alle Fragen und Antworten gesendet werden. Je mehr Fragen man stellen möchte, desto mehr Zeit sollte man einplanen.
  • Immer nur eine Frage stellen, nicht mehrere gleichzeitig. Der oder die Befragte weiß sonst nicht, auf welche Frage er oder sie zuerst antworten soll oder sucht sich die Frage aus, die ihm am angenehmsten ist.
  • Sogenannte „Offene“ Fragen sind besser als „geschlossene“ Fragen. Offen sind solche Fragen, die dem Antwortenden nicht nur ein „Ja“ oder „Nein“ ermöglichen, sondern ihn zu ausführlicheren Ausführungen einladen. Also Fragen wie „warum, wie kam es zu...?, was halten Sie von?..., wie sind Ihre nächsten Pläne, Ziele“ etc. „Geschlossene“ Fragen sind bei längeren Interviews sinnvoll, um das Tempo zwischendurch einmal wieder zu erhöhen. Etwa: „Sind Sie für die Einführung von...“. Die Antwort lautet dann „Ja“ oder „Nein“ und Sie können mit „warum“ (= offene Frage) nachsetzen.
  • Keine Angst vor Pausen, der Interviewpartner sollte auch Zeit zum Nachdenken haben.
  • Vorname, Name und Funktion oder Beruf des Interviewpartners vorher nachfragen und auch nennen. Namen sind Nachrichten! Der Doktortitel gehört übrigens zum Namen.

Die Reportage

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„Die Reportage zeigt die Fakten in ihrem szenischen Zusammenhang. Im Mittelpunkt stehen Ereignisse, Handlungen und Begebenheiten, die von den Reporterinnen und Reportern direkt vor Ort oder bei der Fernsehreportage auch am Monitor erlebt und geschildert werden.“ [1]

 

Bei der Reportage ist die Reporterin oder der Reporter stets vor Ort und schildert, was sie oder er sieht, hört, erlebt. Dazu kommt in der Reportage der eigene Kommentar des Reporters. Denn der Reporter steht an Stelle des Hörers. Stellvertretend für ihn soll der Reporter berichten, und seine Eindrücke wiedergeben. Deshalb wird in einer Reportage aus der Perspektive des Reporters referiert. Daraus folgt dass die Reportage eine „impressionistische“ und somit eine „subjektive“ Darstellungsform ist und dass die Reporterin oder der Reporter völlig zu Recht das Wort „Ich“ verwenden und von sich selbst sprechen kann, was man sonst im Journalismus zu vermeiden versucht. [2]

 

Wer selbst eine Reportage machen möchte, muss vor allem auf die eigene Lautstärke achten. Wenn die Umgebung beispielsweise laut ist (Konzert, Sraßenfest etc.), muss der Reporter trotzdem in normaler Lautstärke ins Mikrofon sprechen. Entgegen dem eigenen Höreindruck darf man nicht versuchen, den Umgebungslärm zu übertönen.

Die Moderation

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Moderieren heißt gestalten. Moderiert wird zum Beispiel als Überleitung von einem Musikstück zum nächsten, als Einleitung in eine Diskussionsrunde oder für einen Bericht, ein Interview etc. Wie das Programm beim Hörer ankommt, hängt oft von der Moderation ab. Kein Bereich – neben der Musik – beim Radio ist so profilbildend wie die Moderation. Viele Sender suchen deshalb nach Identifikationsfiguren, die immer die gleiche Sendung moderieren, sogenannte „Anchormen“ oder „Anchorwomen“. Die Moderation im Radio muss heutzutage kurz und prägnant sein. Keine langen Erklärungen, keine umfassenden Informationen, vielmehr ist Kürze und Witz gefragt. Einige Sender verschaffen sich auch ein Profil durch besonders comicartige Moderationen.

 

Bei der Moderation gilt:

  • Nur etwas sagen, wenn es etwas zu sagen gibt.
  • Lieber kurz fassen, als lange „labern“.
  • Klare, kurze Sätze formulieren.
  • An die Hörerinnen und Hörer denken: Verstehen sie, was ich sagen will?
  • Moderationen müssen vorbereitet werden. Informationen zum Thema besorgen; Texte vorformulieren, dann aber nicht ablesen, sondern frei sprechen.
  • Sendelaufpläne durchgehen und alles bereitlegen, was man braucht. Heute kann es sein, dass dies nur noch ein Blatt Papier und ein Kugelschreiber ist, denn die Beiträge für die Sendungen werden von Computern aus angesteuert. Während man früher die Musik-CDs noch mit ins Studio genommen hat, kommt heute die Musik meist von einem Server, der direkt aus dem Studio ansteuerbar ist. Selbst einige Schülerradios arbeiten bereits so.
  • In jedes Musikstück vorher hineinhören. Berichte, O-Töne etc. unbedingt ebenfalls vorher anhören. Der Moderator muss wissen, was als nächstes gesendet oder abgespielt wird.
  • Normal bleiben: nicht schneller oder langsamer reden als sonst. Man sollte versuchen so zu moderieren, als erzähle man die tollen, spannenden, interessanten Dinge, seinem besten Freund oder seiner besten Freundin: freundlich, interessiert, wach. Wer beim Moderieren lächelt, klingt gleich viel freundlicher.

„Der ideale Moderator ist ein Übermensch, heißt es. Er ist ein Profi, der zudem noch die Eigenschaft besitzen muss, dass man es ihm nicht anmerkt, sondern ihn als vertrauten, klugen Freund empfindet. Das bedeutet: Den idealen Moderator gibt es allenfalls annäherungsweise: Er soll entspannt, aber nicht lässig wirken; ruhig, aber nicht langweilig sein; überlegen, aber nicht arrogant: sprachgewandt, aber nicht manieriert.“ [3]

Die Umfrage

Das Grundprinzip der Umfrage heißt (im Gegensatz zum Interview): „Eine einzige immer wiederkehrende Frage an viele Menschen“.

 

Die Umfrage im Radio ist keine statistische Erhebung, sondern gibt ein Stimmungs- oder Meinungsbild wieder. Bei allen möglichen Anlässen bietet sich eine Umfrage an: wie beurteilen die Befragten eine politische Entscheidung, wie finden die Besucher die Veranstaltung, die gerade stattfindet, was halten die Menschen von... Auch die Frage nach der Bedeutung eines Fremdwortes oder einer skurrilen Abkürzung eignet sich für eine Umfrage.

 

Folgendes gilt es zu beachten:

  • Immer eine offene Frage stellen, d.h. die Interviewten dürfen nicht nur mit „ja“ oder „nein“ antworten. Beispiel: „Was halten Sie von...?“
  • Unbedingt auf gleichmäßige Hintergrundgeräusche achten (nicht eine Person an einer belebten Straße befragen und die nächste im ruhigen Park).
  • Möglichst nicht nachhaken (siehe Grundprinzip), sonst kommt es zum Gespräch und das ist keine Umfrage mehr.
  • Den Angesprochenen zum Antworten Zeit lassen.
  • Die Frage immer gleich formulieren, sonst passen möglicherweise die Antworten später nicht zueinander. Also nicht einmal: „Was halten Sie von der Irak-Politik von Präsident Bush“ und dann „Wie sollte Ihrer Meinung nach die Irak-Politik von Präsident Bush aussehen?“
  • Eigene Kommentare/Geräusche („hm, hm“) vermeiden.
  • Reporter-Schlaufe machen! So entstehen keine Kabelgeräusche bei der Aufnahme.
  • Am Computer beim Schneiden werden die Antworten gemischt: vor allem auf ist darauf zu achten, dass Frauen und Männer und Jung und Alt gleichermaßen zu Wort kommen. Eventuell kann man auch pro und contra gewichten. Spätestens hier wird deutlich, dass der Redakteurin oder dem Redakteur große Verantwortung zukommt. Mit der entsprechenden Mischung kann sie oder er die Aussage einer Umfrage stark beeinflussen.

Tipp: Mit einem aussagekräftigen, lustigen, pointierten O-Ton die Umfrage beginnen lassen und auch mit einem solchen O-Ton beenden. Also die Töne nicht wahllos aneinanderreihen.

Das Magazin

Als Magazin werden solche Sendungen bezeichnet, die verschiedene radiofone Formen beinhalten. Die Sendung kann sich nur mit einem bestimmten Thema beschäftigen, dadurch nähert sie sich dem Feature oder sie kann Beiträge zu verschiedenen Themen präsentieren. Etwa ein „Mittagsmagazin“, das Beiträge über aktuelle Themen des Tages enthält.

 

Magazine im Hörfunk enthalten Musik, Unterhaltung, kurze Wortbeiträge, Interviews, Werbung etc.

 

Für den Unterricht oder die praktische Arbeit im Jugendhaus stellt es eine ideale Form dar, die verschiedenen Formen und Typen wie Interview, Musik, Wortbeitrag etc. auszuprobieren und zu gestalten. Verschiedene Kleigruppen machen zu unterschiedlichen Themen verschiedene Beiträge, wählen die Musik aus und bestimmen eine oder mehrere Personen, die dann durch die Sendung führen, also moderieren.

 

Übrigens: 1949 führte Pat Weaver von NBC durch die erste Radiomagazinsendung Monitor. Sein Motto: „Monitor is going places and doing things“. Zwölf Stunden Unterhaltung wurden live ausgestrahlt, durchsetzt mit Nachrichten und Tipps, ein Moderator leitete durch die Sendung.

Quellen

[1] Jürg Häusermann und Heiner Käppeli: Rhetorik für Radio und Fernsehen. 2. Auflage. Aarau 1994. S. 220. [zurück]

[2] Vgl. ebd. [zurück]

[3] Gerhard Schult/Axel Buchholz (Hrsg.): Fernsehjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. München 1997, S. 208. [zurück]

Pädagogische Praxis

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