Angebote für Geflüchtete und Migranten

Bild: Birte Rosink/LMZ

Seit einiger Zeit kommen immer mehr Menschen aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland. Im Jahr 2015 betrug die Anzahl an Asylanträgen bundesweit beinahe 477 000. Häufig ist die Migration persönlich, wirtschaftlich oder politisch begründet, teilweise fühlen die Menschen sich gezwungen, ihr Land zu verlassen aufgrund von Hunger oder Krieg. Weltweit befinden sich über 60 Millionen Menschen auf der Flucht.

 

Viele von ihnen haben ihre Heimat verloren, traumatische Erlebnisse sowohl im Heimatland als auch auf der Flucht erlitten und teilweise Familienmitglieder und Freunde verloren. Sie kommen in ein unbekanntes Land, einen fremden Kulturkreis, kennen die Gewohnheiten der hier lebenden Menschen kaum und sprechen ihre Sprache nicht. Aufgrund von kulturellen Unterschieden und gegenseitigen Vorurteilen gelingt eine Integration häufig nur allmählich und nicht immer leicht.

 

Über 30% der in Deutschland ankommenden Asylbewerber sind jünger als 18 Jahre, die meisten von ihnen sind in Deutschland schulpflichtig. Da die Kinder und Jugendlichen häufig über keine oder nur wenige Deutschkenntnisse verfügen, werden sie zunächst in einer sogenannten Internationalen Vorbereitungsklasse unterrichtet. Der Fokus in diesen Klassen liegt auf einer intensiven Sprachförderung, um die Schülerinnen und Schüler auf den Wechsel in eine reguläre Klasse vorzubereiten und sie baldmöglichst in die passende Schulform einzugliedern.

 

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) unterstützt Schulen bei der Verankerung der Medienbildung im Schulcurriculum und bei der Förderung medienbildnerischer Kompetenzen im Unterricht. In der aktuellen Situation schließt dies auch die Förderung der Medienkompetenz von Migrantinnen und Migranten sowie deren schulische Integration mit Hilfe von Medien ein. Aus diesem Grund wird das bestehende Angebot an schulischen Veranstaltungen wie Schülerworkshops, Elterninformationsabende und Lehrerfortbildungen erweitert und an die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen angepasst. Das LMZ entwickelt derzeit verschiedene Workshop-Einheiten und Unterrichtsmaterialien, die speziell in Vorbereitungsklassen eingesetzt werden können. Zudem ist das LMZ in der Elternarbeit mit speziellem Fokus auf Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete aktiv.

 

Wichtige Anknüpfungspunkte an die Erfahrungen der Geflüchteten sind beispielsweise Smartphones und die Sozialen Netzwerke. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig davon ob sie einen Migrations- oder Fluchthintergrund haben oder nicht, haben bereits Erfahrungen im Umgang mit Smartphones und den sozialen Medien gemacht und besitzen ein eigenes Gerät. Trotz dieser Alltäglichkeit, erhöht sich die Motivation bei Jugendlichen, wenn mit Smartphones oder Tablets auch im Schulunterricht gearbeitet wird.

Rahmenbedingungen

Bild: Birte Rosink/LMZ

Das Schulbesuchsrecht für Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter gilt auch für Geflüchtete ab dem ersten Tag des Aufenthaltes in Baden-Württemberg, nach sechs Monaten greift die Schulpflicht. Je nach Vorkenntnissen und Lernfortschritt verbleiben die Kinder bis zu zwei Jahre in den Internationalen Vorbereitungsklassen.

 

Die größte Herausforderung im Unterricht in diesen Klassen ist der hohe Grad an Heterogenität. Häufig werden Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersgruppen gemeinsam unterrichtet, sie stammen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen, sprechen unterschiedliche Sprachen und weisen Unterschiede in den Vorkenntnissen der deutschen Sprache auf. Hinzu kommen Unterschiede hinsichtlich des Lern- und Leistungsniveaus (dies ist im deutschen Schulsystem vor allem für die Beschulung in weiterführenden Schulen von Bedeutung), der psychischen Stabilität und des Sozialverhaltens.

 

Ziel der Internationalen Vorbereitungsklassen ist zum einen, die Deutschkenntnisse der Schülerinnen und Schüler zu fördern, so dass sie am regulären Unterricht teilnehmen können. Zum anderen gilt es, Kenntnisse über ihr Lern- und Leistungsniveau zu erlangen, um ihnen eine angemessene Förderung in einer ihren Fähigkeiten und Kenntnissen angepassten Schulform zu ermöglichen.

Medienlisten passend zum Thema

Die thematisch oder fachspezifisch geordneten Medienlisten enthalten Medienbeispiele wie z.B DVD-Videos, Unterrichtsmodule, Medienpakete und Themenbanken, die von den zuständigen Fachkommissionen unserer Medienbegutachtung gesichtet und für den schulischen Einsatz empfohlen wurden.

 

Medienliste: Deutsch für Kinder anderer Muttersprache

Medienliste: Migration

Medienliste: Internationaler Weltflüchtlingstag (20. Juni)

 

Das Stadtmedienzentrum Karlsruhe hat zudem eine Medienliste mit Material für Geflüchtete und die Arbeit mit Geflüchteten im Unterricht erstellt.

Beispiele aus der Praxis

Hier finden Sie Unterrichtsmaterialien und ausgewählte Beispiele aus der Praxis, die bislang im Rahmen der Programme des LMZ mit Internationalen Vorbereitungsklassen durchgeführt wurden.

Expertenworkshop zur Medienarbeit mit Geflüchteten

Am 24. Oktober 2016 fand in Berlin ein Expertentreffen zum Thema Medienarbeit mit Geflüchteten statt, bei welchem die verschiedenen Methoden und Herangehensweisen vorgestellt sowie Handlungsempfehlungen für die Praxis entwickelt wurden. Vertreterinnen und Vertreter von 24 Projekten aus ganz...weiterlesen

„Erste Schritte im Netz“ – Workshop beim CJD Offenburg

Am 22. Oktober 2016 fand in Offenburg ein Workshop speziell für Geflüchtete und Migranten zu den Themen „Erste Schritte im Netz“ und „Suchen und Finden im Internet“ statt. Teilnehmer am Workshop waren sieben männliche Jugendliche aus Eritrea im Alter von 16 bis 18 Jahren.weiterlesen

Das Internet und ich – Unterrichtsmodul

In diesem Workshop für Internationale Vorbereitungsklassen geht es darum, die produktive Nutzung des Smartphones zu fördern. Den fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen werden im Rahmen der Medienbildung auch niederschwellige Sprechanlässe geboten.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis