Cybermobbing: Wer mobbt? Wer leidet? Wer schaut zu?

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Im Zentrum aggressiver Konflikte stehen die aktiven Täterinnen und Täter („Bullys“) einerseits und die in der Regel eher passiven Betroffenen andererseits. Dabei kann es sich auf beiden Seiten sowohl um Einzelpersonen als auch um Personengruppen handeln.

Täterinnen und Täter

Cybermobbing wird oft von Personen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen initiiert, sodass On- und Offline-Mobbing miteinander einhergehen können. Es ist auch möglich, dass völlig fremde Personen zur Täterin oder zum Täter werden, dies ist aber deutlich seltener der Fall. Auch einige geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich beobachten: während Mädchen etwas häufiger Gerüchte verbreiten und den Ruf anderer schädigen, sind bei Jungen Beleidigungen und das Androhen physischer Gewalt stärker vertreten. [1]


Die Gründe, weshalb es zu einem schädigenden Verhalten kommt, sind sehr vielfältig. Täterinnen und Täter können aus Langeweile, Spaß, Minderwertigkeitsgefühlen, Wut oder aus Rache handeln. Ebenso kann ein aggressiver Umgang miteinander (z.B. im Klassenverband) Normalität sein. Wer andere mobbt, hat in der Regel das Ziel, sich selbst überlegen zu fühlen, also Macht und Dominanz auszuüben und gleichzeitig das eigene Ansehen in der Peergroup zu stärken und etwaige Schwächen zu kompensieren. Ein weiterer Auslöser kann selbst erfahrenes Mobbing sein, indem sich Betroffene aus ihrer Opferrolle zu befreien versuchen und sich an den Bullys rächen. Schließlich kann Cybermobbing auch aus impulsiven Handlungen resultieren, insbesondere, wenn Personen ihre Emotionen nur schlecht kontrollieren können und Aggressionen zur Entlastung beitragen. [2]

Betroffene

Durch die Spezifika des Internets (physische Distanz, Anonymität, Virtualität, Kommunikationskultur, usw.) kann Cybermobbing aus dem Nichts heraus entstehen, so dass prinzipiell alle Menschen, die Onlinemedien nutzen, davon betroffen sein können. Persönliche Merkmale wie das Aussehen, die Leistung in der Schule oder am Arbeitsplatz, Hobbys oder die soziale Herkunft sind dabei nicht mehr zentrale Auslöser des Mobbings, sie sind allerdings mitunter Anlass für Beleidigungen oder Ausgrenzung. Aber auch Erfolg, Überlegenheit oder Bekanntheit können dazu führen, dass Personen zur Zielscheibe von Belästigung, Diffamierung oder Cyberstalking werden.

 

An Betroffenen, die dauerhaft mit massivem Cybermobbing konfrontiert sind, können meist Veränderungen im Alltag und auch im Umgang mit ihren Mitmenschen beobachtet werden. Anfängliche Verärgerung und Wut über einzelne beleidigende Äußerungen können in langfristige psychische und physische Schäden münden, wenn das Mobbing nicht aufhört. Wer permanent fertig gemacht wird, und das im schlimmsten Fall öffentlich und von einer Vielzahl sowohl bekannter als auch unbekannter Täter/-innen, leidet häufig unter Minderwertigkeitsgefühlen, Ohnmacht und Unsicherheit; psychische Reaktionen wie Niedergeschlagenheit, Angst und Depressionen bis hin zu selbstverletzenden Handlungen können die Folge sein, wenn kein Ausweg aus der Situation gefunden wird. Auch körperliche Reaktionen wie Appetitlosigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen können auftreten.

 

Findet das Cybermobbing im schulischen Umfeld statt, sind eine nachlassende Konzentrationsfähigkeit, abfallende Schulleistungen und der Wunsch, nicht mehr in die Schule zu gehen (da das Mobbing dort unter Umständen weitergeführt wird), mögliche Anzeichen. Generell werden Betroffene oft zunehmend verschlossen und ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie nutzen das Internet nur noch ungern und verhalten sich anderen gegenüber zurückhaltend, misstrauisch oder auch aggressiv. Fragen nach diesen Veränderungen werden häufig abgeblockt oder heruntergespielt, aus Scham, die erlebten Demütigungen zu thematisieren. [3]

 

Aus pädagogischer Sicht ist es sinnvoll in entsprechenden präventiv angelegten Workshops oder Unterrichtseinheiten Jugendliche aufzufordern bzw. darin zu bestärken, sich an Erwachsene zu wenden, wenn sie betroffen sind. Denn: je eher in einem (Cyber-)Mobbing-Fall eingegriffen wird, desto weniger Schaden entsteht.

Bystander

Kommunikation, die über digitale Kanäle erfolgt, ist unter Umständen einer großen (Teil)Öffentlichkeit zugänglich. So kann es auch beim Cybermobbing zunächst unbeteiligte Zuschauerinnen und Zuschauer (sogenannte Bystander) geben, die im weiteren Verlauf aktiv in das Geschehen eingreifen können. Dabei können sie entweder den Konflikt verstärken oder zur Lösung des Problems beitragen. Im Fall, dass Bystander sich auf die Seite der Täterinnen/der Täter stellen und diese in ihrem Tun bestärken – beispielsweise durch das Kommentieren, Teilen und Liken von Beiträgen – wird das Mobbing zum Gruppenphänomen. Die Beobachtenden werden zu Mitläuferinnen und Mitläufern, die aus Spaß, Langeweile, Gruppenzwang oder aus Angst, selbst gemobbt zu werden, agieren.

 

Bystander können aber auch unterstützend handeln, indem sie zum Beispiel Betroffene über Cybermobbing informieren, das hinter deren Rücken stattfindet. Sie können helfend zur Seite stehen, um das Mobbing zu beenden und haben meist auch die Möglichkeit, unpassende Beiträge selbst zu löschen oder dem Anbieter zu melden. Außerdem können die Bystander Täterinnen und Täter auf ihr negatives Verhalten ansprechen und sie auffordern damit aufzuhören. [4]

 

Obwohl die Bystander für den Verlauf von Cybermobbing eine wichtige Rolle spielen, schätzen Heranwachsende ihre Einflussmöglichkeiten auf Bullys nur gering ein. So werden Vorfälle oft einfach ignoriert – aus Unsicherheit oder Angst, sonst selbst zur Zielscheibe zu werden. Dieses Verhalten wird von Täterinnen und Tätern jedoch möglicherweise als Zustimmung verstanden. Ob Heranwachsende sich in einen Konflikt einmischen, hängt vor allem davon ab, in welcher Beziehung sie zu den Betroffenen stehen und wie ernst die Situation wahrgenommen wird. Droht ein Streit zu eskalieren oder wird Hilfe von Außenstehenden explizit erbeten, dann gilt ein Eingreifen als legitim, sofern es eine Lösung des Problems verspricht und der eigenen Person nicht schadet. [5]

Quellen

[1] Vgl. Pfetsch, Jan: Studie: Bystander von Cyber-Mobbing. Kurzbericht. Berlin 2011. [zurück]

[2] Vgl. Klicksafe (Hrsg): Ratgeber Cybermobbing. Ludwigshafen 2015, S. 19. [zurück]

[3] Vgl. ebd., S. 20 und 24. [zurück]

[4] Vgl. Pfetsch, Jan: Studie: Bystander von Cyber-Mobbing. Kurzbericht. Berlin 2011. [zurück]

[5] Vgl. Wagner, Ulrike et al.: Wo der Spaß aufhört… Jugendliche und ihre Perspektive auf Konflikte in sozialen Netzwerkdiensten. Teilstudie im Projekt „Das Internet als Rezeptions- und Präsentationsplattform für Jugendliche“ im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). München 2012. [zurück]

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