Cybermobbing: Prävention und Intervention

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Selbstschutz und Hilfsangebote

Betroffene können selbst aktiv werden, um akutes Cybermobbing einzudämmen und sich vor zukünftigen Übergriffen zu schützen. Sie sollten nicht zurück mobben! Und sie sollten sich möglichst schnell bei Erwachsenen Hilfe holen.

 

Auch für Opfer gelten die allgemeinen Regeln: Sie selbst sollten online nur wohl überlegte Kommentare, Fotos und Videos posten. Besonders private Informationen wie Kontaktdaten, intime Fotos, Passwörter oder sensible persönliche Daten sollten gar nicht veröffentlicht und auch nur sparsam an vertrauenswürdige Freunde weitergegeben werden (vgl. auch Sexting), damit möglichst keine Angriffsfläche geboten wird und sich die Informationen nicht unkontrolliert verbreiten können. Online-Kommunikation, die verunsichert oder seltsam erscheint, sollte abgebrochen werden – vor allem, wenn die oder der andere unbekannt ist. Falls es bereits zu wiederholten Belästigungen, Beschimpfungen oder anderen Formen des Cybermobbings gekommen ist, sollte darauf nicht reagiert werden, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Sinnvoller ist es, Beweise zu sichern und die unerwünschten Inhalte sowie den Bully beim Anbieter zu melden. Eine weitere Kontaktaufnahme kann zum Beispiel durch die Änderung von Nicknames, E-Mail-Adressen und Telefonnummern sowie das Sperren der Täterin oder des Täters unterdrückt werden. Des Weiteren sollte die eigene Präsenz im Netz hin und wieder überprüft werden, zum Beispiel mithilfe von Suchmaschinen. [1]

 

Um langfristiges Cybermobbing zu beenden, benötigen Betroffene in der Regel auch die Hilfe und Unterstützung von Außenstehenden. Wenn Personen aus dem direkten Umfeld (Eltern, Freundeskreis, Lehrende) dies nicht leisten können, stehen zahleiche Hilfsangebote zur Verfügung. In vielen Orten gibt es kostenlose Cybermobbing Beratungsstellen; die „Nummer gegen Kummer“ bietet telefonische Hilfe – kostenlos und anonym. Zudem existieren Online-Angebote wie mobbing-schluss-damit.de oder juuuport.de, auf denen Betroffene umfangreiche Informationen und Tipps zum Thema finden, sich mit anderen austauschen oder sich im Chat von Experten beraten lassen können.

Familie und Schule

Innerhalb der Familie oder im Schulumfeld gibt es zahlreiche Möglichkeiten, gegen Cybermobbing vorzugehen. Je nachdem, ob man sich präventiv mit der Thematik beschäftigen möchte oder einen akuten Fall von Cybermobbing zu lösen versucht, müssen unterschiedliche Strategien angewendet werden. Die Präventionsarbeit in Bezug auf Cybermobbing besteht vor allem in der Vermittlung und Förderung von Medienkompetenz und damit einher gehenden sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Um Cybermobbing vorzubeugen, empfiehlt es sich, Heranwachsende durch Gespräche, Projekte und aktive Medienarbeit für die Problematik zu sensibilisieren. Damit soll ein Bewusstsein für den mündigen und verantwortungsvollen Umgang mit Online-Medien geschaffen werden. Die Herausforderung dabei ist, das Selbstvertrauen der Heranwachsenden für ein kompetentes Medienhandeln zu stärken und ihnen gleichzeitig klare Grenzen in der digitalen Kommunikation zu vermitteln.

 

Medienpädagogische Projekte und Workshops bieten neben dem Unterricht einen geeigneten Rahmen, sich auf vielfältige Weise mit der Problematik Cybermobbing auseinanderzusetzen. Hier können Themen wie Datensicherheit und -sparsamkeit, eigene und fremde Urheber- und Persönlichkeitsrechte, Verhaltensregeln im Netz (Netiquette), Privatsphäre oder die Konsequenzen von Cybermobbing für die verschiedenen Akteurinnen und Akteure angesprochen werden. Neben der reinen Wissensvermittlung stehen dabei zahlreiche interaktive Methoden zur Verfügung, diese Bereiche intensiv und kreativ zu bearbeiten.

 

Dadurch wird allen Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, ihr eigenes und auch fremdes Medienhandeln zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen. Auch das Konfliktverhalten der Heranwachsenden sollte hier thematisiert werden, da es für das Zustandekommen von Cybermobbing ausschlaggebend ist. Indem die unterschiedlichen Perspektiven von Täter/-innen, Bystandern und Betroffenen eingenommen werden, wird die Empathiefähigkeit der Heranwachsenden gefördert. Sie entwickeln ein Verständnis für die Auslöser und Folgen verletzenden, aggressiven Handelns und lernen Strategien kennen, dieses Handeln zu vermeiden bzw. selbstbewusst dagegen vorzugehen.

 

Das LMZ bietet Workshops, Unterrichtseinheiten für Schüler, Informationsabende für Eltern sowie schulinterne Lehrerfortbildungen zum Thema Cybermobbing an. Wenn Sie Interesse haben, können Sie sich bei der medienpädagogischen Beratungsstelle des LMZ melden: Tel. 0711 2850-777, beratungsstelle@lmz-bw.de.

Nachhaltigkeit

Da die Themen gemeinsam in Gruppen oder im Klassenverband erarbeitet werden, findet ein gegenseitiger Transfer von Wissen und Erfahrungen statt, der zur Nachhaltigkeit von Projekten beiträgt und gleichzeitig den Zusammenhalt der Heranwachsenden stärken kann. Das Ergebnis solcher Projekte kann zum Beispiel eine informative Wandzeitung für den Klassenraum, ein selbst gedrehter Film, ein Verhaltenskodex (der von allen Teilnehmenden unterzeichnet wird) oder auch ein Theaterstück zum Thema Cybermobbing sein. In diesem Zusammenhang können auch „Experten“ wie Schüler-Medienmentoren, Streitschlichter/-innen und Anti-Mobbing-Beauftragte ausgebildet werden, die bei akuten Mobbingfällen als Ansprechpartnerinnen oder Ansprechpartner in der Schule fungieren. Darüber hinaus sollte auch das Lehrpersonal regelmäßige Weiterbildungen in den Bereichen Mediation und Konfliktmanagement wahrnehmen, um auf Cybermobbing-Vorfälle schnell und richtig reagieren zu können.

Akutes Cybermobbing

Sind Eltern oder Lehrende mit einem akuten Fall von Cybermobbing (bzw. Konflikten im Allgemeinen) konfrontiert, ist es wichtig, sofort darauf zu reagieren. Betroffene finden nicht immer allein einen Weg aus dem Mobbing, sondern sind oft auf die Solidarität und Unterstützung des sozialen Umfelds angewiesen. Dabei sollten Vorfälle jeweils individuell bewertet werden. Die Wahrnehmung von Konflikten kann stark variieren, sodass manche Schülerin/mancher Schüler auf Äußerungen sensibel reagiert, die andere als Spaß interpretieren. So einen Fall als Scherz abzutun wäre falsch; vielmehr müssen Betroffene mit ihren Problemen prinzipiell ernst genommen werden. Es gilt, ihnen zuzuhören, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen zu suchen. Im besten Fall ist dafür geschultes Personal (Vertrauenslehrer/-in, Schulpsycholog/-in, Schulsozialarbeiter/-in, Präventions-Beauftragte/-r) vor Ort.

 

Insofern das Cybermobbing im schulischen Umfeld stattfindet, also Täterinnen/Täter und Bystander hinzugezogen werden können, empfiehlt es sich, mit allen Beteiligten zu reden und die Situation aus der jeweiligen Perspektive beschreiben zu lassen. Dabei wird heute vielfach der No Blame Approach verfolgt, eine lösungsorientierte Methode, bei der auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichtet wird, um das Mobbing rasch und nachhaltig zu stoppen. Diese Methode – wie auch andere - sollte aber nicht auf eigene Faust, sondern angeleitet von Fachkräften angewandt werden. Auf diese Weise lassen sich die Gefühle und Beweggründe der Beteiligten erörtern und Täterinnen bzw. Täter können die Folgen ihres Handelns bewusst gemacht werden. Sie sollen die Ernsthaftigkeit von Cybermobbing und die Auswirkungen auf sich und andere realisieren.

 

Auch bei akuten Cybermobbing-Vorfällen ist es sinnvoll, die ganze Klasse einzubeziehen und die Problematik zu thematisieren, um weiteres Mobbing zu vermeiden. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, dass Mitschülerinnen und Mitschüler die Courage entwickeln, sich einzumischen, sich hinter Betroffene zu stellen und sich gemeinsam gegen Bullys zu wehren. Dabei muss allerdings sensibel vorgegangen werden, damit Betroffene nicht bloßgestellt und zusätzlich geschädigt werden. Gleichzeitig sollen die Heranwachsenden auch für Rechte und Pflichten im Netz sensibilisiert werden. Sie sollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und unüberlegte Handlungen reale Folgen bis hin zu strafrechtlichen Sanktionen nach sich ziehen. Insgesamt ist wichtig, dass bei gravierenden Fällen Expert/inn/en ggf. sogar die Polizei hinzugezogen werden.

Fazit

Cybermobbing ist für die Betroffenen schmerzlich, es verletzt sie und prägt ihren Alltag. Die Nutzung digitaler Kommunikationsmedien gehört zum Medienhandeln von Heranwachsenden und Erwachsenen gleichermaßen, und sie ist durch mobile Endgeräte jederzeit und überall möglich. Aus diesem Grund wären Mediennutzungs-Verbote zur Verhinderung von Cybermobbing weder sinnvoll noch zielführend. Stattdessen ist ein souveräner, reflektierter und (selbst-)bewusster Umgang mit Online-Medien wichtig. Wer sich im Internet bewegt, muss Regeln und Gefahren kennen, sich mit rechtlichen Aspekten und Datensicherheit beschäftigen. Medienkompetenz ist der beste Schutz vor unerwünschten Angriffen. Im schulischen Kontext kann diese Präventionsarbeit am besten durch medienpädagogische Projekte bzw. Unterrichtseinheiten geschehen.

 

Wenn akutes Cybermobbing an Schulen auftritt, ist es ratsam, speziell ausgebildete Lehrkräfte vor Ort zu haben, die adäquat auf die Vorfälle reagieren können. Diese sollten Warnzeichen möglichst früh erkennen und intervenieren, sobald Online-Konflikte aufkeimen. Die Lehrenden müssen sich dafür nicht nur mit Konfliktlösungsstrategien, sondern auch mit Medien und Medieninhalten beschäftigen und die Besonderheiten des Cybermobbings im Blick haben.

Quellen

[1] Vgl. Klicksafe (Hrsg.): Ratgeber Cybermobbing. Ludwigshafen 2015, S. 27. [zurück]

Handouts

Cybermobbing – was tun? Handout für Eltern

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